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Blick in Vergangenes

   19.07.2008, 07:52 / 1 x geändert



Vom 14. bis 17. Juli 2008 war Dr. Linda Bilton unser Hausgast. Leider standen die kurzen Tage unter Zeitdruck, wegen Lois's kommender Ausstellung in 'The Ancient House', Ipswich, welche am Montag, dem 21. Juli naechster Woche beginnen wird und bis zum 2. August dauert. Diese Ausstellung wird nur ihre Silhouettenkunst zeigen, unter dem Titel “The Burning Bush'.

Ein paar Titel dazu: The Golden Silence, The Fire Bird, The Burning Bush, Samson, Phoenix Rising, Cosmic Dance,Unleashed,The Herald, Chinese Fire Dragon...........(www.loiscordelia.com)

John ist zur Zeit noch dabei die letzten 4-5 Rahmen zu machen und das Glas zu schneiden, Methoden, die ihm vor 6 Wochen fast unbekannt waren. Seine Rahmen koennen sich sehen lassen. Es ist erstaunlich, wie schnell er alles im Griff hatte und wieviel Farbtoenungen und verschiedene Formate er perfekt beherrscht. Es gibt keine oefffentlichen Ankuendigungen in der Zeitung, Lois haette die Zeitungen einen Monat vorher benachrichtigen muessen,es tat ihnen leid, sie haetten es sonst gern getan. Man lernt hinzu.

Linda verbringt ihre zwei Monate Ferien in ihrem Heim in Hedon bei Hull, in Yorkshire, oder mit Freundinnen auf langen Tageswanderungen im Lake District. So war es ein totaler Wechsel , hier in Ipswich und Suffolk zu sein. Nur sanfte Huegel, keine steilen Berge, kein endloser Regen wie im Norden,sondern warmer Sonnenchein, Wind, oder leicht bedeckter Himmel. Linda kam mit Wollmuetze und doppelter Bekleidung, weil sie dort gefroren hatte, hier waren es 24 Grad Waerme.
Nachmittags wanderten Linda und ich durch die beiden Parks 'Stonelodge' und 'Gypswik' in die Stadt und besichtigten “The Ancient House”, aus dem 14. Jahrhundert. Die Aussenfassade aus 'Pargetting' im Tudor -Stil um 1660-70 zeigt die bis dahin entdeckten Kontinente: Afrika (als Nackter mit Speer), Amerika (durch einen Mann mit Hund), Asien (mit Pferd und einer Moschee) und Europa (durch eine Frau mit Pferd und einem Schloss).

Auf 'You Tube' kann man Details davon sehen. Sehr prominent ist das Familienwappen King Charles II in bunten Farben 'honi soit qvi mal y pense', das motto fuer den 'Garter Orden'. Zwei Portraits von King Charles II, alte Kamine, getaefelte Decken und ein Zimmer mit Dokumentationen und uralten Wandmalereien.

King Charles soll sich hier versteckt haben, vor seiner geglueckten Flucht. John besitzt ein altes Buch von 1928, W. E. Harrison, “A King's Ransom', welches, im Zusammenhang mit den historischen Ereignissen zur Zeit von King Charles II, eine reizende Liebesgeschichte enthaelt.
Dort also wird Lois's Ausstellung hoch oben unterm Dach erfolgen. Ihre erste Solo-Ausstellung machte sie am gleichen Ort 2002 kurz vor ihrem Studium in Edinburgh.

Ein Ausflug fuehrte nach “Sutton Hoo”, welches sich in den 1980er Jahren, seit John und ich es besuchten sehr gewandelt hat. Damals konnte man die 'Mounds' besteigen, wir sahen neu gefundene 'Skelette' und einen 'Reiter mit Pferd', der zu erweiternden Forschungen mit immer feineren Methoden fuehrte.'Hoo' oder 'Haugh' bedeutet, ein ' hoch gelegener Platz', Sutton ist ein kleiner Ortsname. Vielleicht gab es einen schiffbaren Zugang von dort zur Nordsee.

Felder ringsherum, nahe am Fluss Deben gelegen bei Woodbridge. Mehr als 50 Jahre war es ein Begraebnisstaette und hatte vermutlich seinen Hoehepunkt in zwei Burials mit Schiffen der Wuffinger. Waehrend Raedwalds Regierungszeit , nicht weit entfernt, wurde Gypeswik=Ipswich zu einer der ersten Handels-Staedte mit Zugang fuer Schiffe.

Es dauerte bis kurz vor dem 2. Weltkrieg, etwa 1300 Jahre, bis ein ungeheurer Schatz entdeckt und, durch sehr grosszuegige Geste der Besitzerin, dem British Museum geschenkt wurde.

Nun sind die Originale wieder in Sutton Hoo gelandet. Man hat eine Replika des Burial Chambers errichtet und eindrucksvolle Photos der Ausgrabungen und Artefacts zieren die Waenden einer Halle. Erklaerungen und ein Film, der in 8 Minuten Einblick in die Zeit um 700 gewaehrt, ergaenzen die Einfuehrung.

1938 wurde das Ipswich Museum von der Besitzerin, Mrs. Edith May Pretty, die als Spiritualist Traeume hatte und ein Medium einschaltete, gebeten, die Burial Mounds zu erkunden. Ipswich schickte Basil Brown, der unter der Anweisung von Direktor Guy Mainard die Ausgrabung von Mount 2,3 und 4 unternahm. Trotz laengst gewesener Pluenderungen stiess er mit seinen Experten auf Eindruecke eines langen Schiffes mit Iron Rivets, Ornamente, Waffenstuecke, Metall, Glass und Knochen: das Grab einer Hohen Persoenlichkeit aus der Pagan Anglo-Saxon Zeit.

Im Mai 1939 kehrte Basil Brown zurueck , um den Mound 1 zu oeffnen. Er stiess auf den sich erhebenden Stern eines Schiffes. Das Holz schon verrottet, aber die Spuren eines 27 Meter langen Bootes waren erhalten geblieben. (Es muesste fuer etwa 40 Ruderer Platz gehabt haben). Das Medium erklaerte ihr, Basil Brown solle weiter graben.
Tief unten im Schiff war ein Burial mit Beigaben fuer den Toten. Silber-Schalen, Loeffel, Fragmente von Stoffen, Waffen,Gold- Ornamente. Der groesste europaeische Schatz war entdeckt.

Das passierte kurz vor Ausbruch des Krieges. Die Schaetze wurden unter groesster Geheimhaltung in U-Bahn-Schaechten ausgelagert. Mrs Pretty schenkte alles der Britischen Nation. Sie starb 1942.

Die Artifacts stammten aus dem 7. Jahrhundert nach Christus. Es war die Zeit der Einwanderer aus Daenemark, Schweden, Deutschland (Angeln vermutlich) und Holland.

Der Tote lag auf einer Bahre. Am Kopfende ein grosser mit Juwelen bestueckter Schild, Adler und Drachen, ein Zepter, Schalen, Bieberpelz und eine Lyra. Zu seinen Fuessen, ein Haufen gefalteter Kleidung, Schuhe, Kissen, Silber-Schalen,Trinkhoerner mit reichem Schmuck.
Er musste ein grosser Krieger sein. Ein langes Schwert in der Naehe seiner rechten Hand mit Spehr, einer eisernen Axt zu seinen Fuessen und einem unglaublich schoenen Helm. Goldschmuck, Kriegsruestung, Falkensymbole, Goldstuecke.

Sehr wahrscheinlich ist es King Raedwald, der hier begraben wurde: der legendaere grosse Koenig Englands und vor allem East Anglias, wie es in 'The Venerable Bede's' Book beschrieben wird.
Es war die Zeit der Anerkennung des fruehen Christentums, waehrend manche Regionen noch heidnisch waren.Raedwalds Koenigin bestand darauf, dass ein heidnischer Tempel neben dem Christentum beibehalten wurde. Raedwald starb um 625.
Auch bei Beowulf gibt es solche muendliche Ueberlieferung. Die Lyra deutet auf die Rezitation wichtiger Kriegstaten mit musikalischer Untermalung.

Ein Rundgang fuehrte uns meilenweit durch Felder und an den Mounds vorbei. Wir blickten auf den Deben Fluss und Woodbridge, ueberlegten, wie die Schwierigkeiten zu loesen waren, um solche langen Boote den Huegel hinaufzuschleppen.

In Orford wanderten wir an der Kueste entlang, mit dem Blick auf Orford Ness, welches waehrend des 2. Weltkrieges fuer atomare Experimente benutzt wurde und erst seit einigen Jahren fuer Besucher und Ornithologen freigegeben wurde. Eine Dame mit Fernglas sprach mich an und bemerkte schnell meinen deutschen Akzent. Sie unterrichtet seit 29 Jahren an der deutschen Schule in Richmond bei London. Wir sprachen angeregt mit einander, bis unsere Wege sich trennten.

Auf dem Wege nach Dedham machten wir eine kurze Pause in East Bergholt und schauten uns den alten, mit vielen Eiben bestandenen Friedhof an. Alte Grabsteine , die Namen einer Familie, Kinder , die frueh starben: noch heute wird einem die Tragik bewusst, welche so viele Familien traf.
In Dedham galt unser Besuch der oft von John Constable gemalten 'St. Mary the Virgin Church'. Im 'Art and Craft Centre' erstand Linda eine huebsche Bluse. Es gab ungewoehnlichere Utensilien, wie z. B. einen Acht-Schlitze-Toaster! Lunch nahmen wir in der 'Marlborough's Head' Pub ein.
In Stoke-by-Nailand war es 'The Church of Mary', von der aus man im Tal den Stour und Box Fluss sehen kann. Mir gefiel besonders der ungewoehnliche Helm mit Federn bei einem 'Monumental Brass' von Sir William de Tendring von 1408. Danach brauchten wir erneute Aufrischung mit zwei 'Pots of Tea' und Sweetbread und fanden diese in der 'Crown Pub', wo wir in ledernen Sesseln versanken.
Unsere vielseitigen Gespraeche in den 3-4 Tagen kreisten um Bahrain, um immer groesser werdende Probleme fuer Lehrende, ueber Literatur und speziell Poesie, ueber Filme und gerade gelesene Buecher, ueber Konzerte und weltweite Versuche, dem Klimawechsel entgegenzutreten. Ein letzter Spaziergang in Richtung 'Springwood Nature Reserve' am Abreisetag und mittags ging es fuer Linda zurueck nach Hedon, um ihre naechste Wanderung im Norden vorzubereiten. Dort heisst es dann wieder: eine warme Muetze und 'Wind und Regen Undurchlaessige Kleidung' zu haben.




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