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Vladimir
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16.07.2008, 13:39 / 4 x geändert
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Warum erzähl ich dir das - auch dies eine Phrase - sagte,
klar, rein rhetorisch der Held einer gedrechselten Soap.
Kümmerts mich? Hält der Sand an den Knöcheln sein raues Versprechen?
Turmspringend merkt einer auf. Spannungslos zählen die Luft
seine vom Kraulen ermüdeten Füße - bloß diese Geste:
Stuhlhinter greifend die Hand einer bekappten in Weiß.
Chlorwasser schoss seine Lenden herauf, als das saubere ihre
rann in den trockenen Mund. Freunde beklatschten den Sprung.
Einmal gab er ihr draußen Feuer: der hellgraue Westwind
nieselte scharf an die Wand eines Versicherungspalast,
mümmelte sie in den fahrigen Windschutz der Säulen des Schwimmbads.
Kletterte ihm auf den Turm dösig ihr Blick denn nicht nach?
Beckenrandspringer verfolgte sie schmunzelnd noch vor der Ermahnung.
Schnell wurde draußen sein Haar kalt in der glasigen Luft.
Schließlich begann er zu grüßen: gerade erst nass von der Dusche,
Käsebrotreste im Mund, nickte er, murmelte knapp.
Lehnend am Pfosten der Dickglaswand schaute sie bloß ohne Regung.
Wasserrausch, spül den Geschmack aus! Kopfhaut, brech dir den Weg!
Spöttelnd schafften die Freunde den Rest: sein verhaltenes Spinksen
noch übersah sie vielleicht; nicht aber Blicklärm der Fünf.
Über ihm brach sich die Welle ihres albernen Werbens,
zog sich zurück, legte ihn als den Beständigen frei.
Nicht länger schwamm er im Schwimmbad nun, sondern im Raum ihrer Augen
tanzte er schwimmend; denn jetzt konnte sein hitziger Geist
ihr routiniertes Gleiten als Deckmantel hoffen und heimlich
fühlte gestriffen sich stets seine bewässerte Haut.
Zügiger pflügte die krausige Wadenbehaarung das Becken
unter dem Schwarz ihres Stuhls. Am ihr entferntesten Rand
unterm aufschwindelnden Springturm wagte er länger zu haschen -
ihr schwarzer Zopf den sie durchs Kappenloch zwang hob sich nur
wenn er vorbeischwamm vom Kragen, und senkte sich rasch, wenn er hinsah.
Teilten als Medium sie Luft flitzten substanzlos und frech
seine geröteten Augen herum, sich weit unterlegen
fühlend. Grüßend nur trat festes noch in sie ein.
Draußen bohrte sie in zerklüftete Stadtluft Gedankenstollen,
rauchend, wenn er sie durch Glück traf; also sagte er nichts.
Kraxelte er an rilligen Stufen jedoch auf den Zehner
konnt er sich ihres Blicks sicher sein: dieser war Pflicht.
Pfeilerbeschattet spiegelten seitlich die handglatten Stangen
sein rundverzerrtes Bemühn. Silber um Silber hinauf.
Oben: näher hielt die Decke den Himmel ab. Unten:
leiseres Chaos; verflacht, schirmschattenlos ihr Gesicht:
ein heller Fleck, augenwinkelschwer - Kacheln schon zählten die Füße.
Müßig gähnte der Grund; sturmüber raste das Brett.
Treffpunkt Café: eine wollige Sonne tat nichts gegens Nieseln.
Jeans trug sie; drüber schwarz-weiß. Gieriges Trinken entrann
ihrem Koffeindurst. Er schlürfte behäbigen Milchschaum,
kitzlig von ihrem betont schamangetriebnen Gespräch.
Von ihrer Wohnung sah er nicht viel: zwei Kleiderregale,
aluminiumleicht; eine Trinkflasche am Bett.
In der Toilette selbst nahm ihre Nähe den Augen die Schärfe.
Wohnküche: halbwegs geputzt; Haargummis: lose, verwaist.
Andres verbarg an der Tür schon ihr raues, eiliges Küssen.
Dann was ihr Körper ihm gab: schlüsselbeinzarte Haut.
Hinterher rauchte sie schweigend. Nicht lange könne er bleiben.
Blau fiel der nieselnde Tag auf ihr gestrandetes Bett.
Dies blieb der seinerseits erst euphorisch, rasch aber zweifelnd
angenommene Kern. Unkontrolliert, langsam schwand
ihr eine tiefere Scheu, nur selten bemerkt. So zog sie,
einmal, als er bereits von ihrem ermatteten Leib
runtergerollt war, ihn wieder zu sich. Er nahm es für neue
Lust, die glaubte sie ihm, selbst sich kaum kennend, verwies
gleich nach dem kläglichen Ausgang ihn mauernden Wortes der Wohnung.
Zweimal traf er sie nachts in einem Reaggaeton-Club.
Zuckend das erste Mal als er ihr waches, eckiges Tanzen
unterbrach, stellte sie ihm Schwimmbadkolleginnen vor
ohne die Art der Beziehung zu nennen. Die zu verbergen
sie ihn das zweite Mal hieß; seine Verletztheit jedoch
schwand, als er sah wie sie anfing Theater zu spielen, als Fremde
ihn zu umtanzen im Kreis, einladend zwinkernd - sie kam
immer näher, um schließlich ihn sanfter als sonst zu umfassen.
Tanzlust entsprang ihrem Schritt. Kussinnen lachte sie auf.
Sägende Bässe bestimmten den Druck ihrer jeansrauen Hüften.
Beckenrandwachend jedoch schien sie ihm kühl wie zuvor;
denn er verstand nicht, dass manchmal sie über die Freunde versuchte
ihn zu erreichen. Trotz, Eifersucht stieg in ihm auf,
wenn er in seichten Gewässern hindümpelnd beäugte der Gruppe
munteres Quatschen - und selbst, als sie, die Scham nicht bemerkt,
aufgab, glaubte er einen in engem Kontakt nun und Zweifel
stak im gewendeten Blick: wegsehend , wenn er sie nicht traf.
Einmal, im Kino - amerikanischer Teeniefilm, schnulzig,
Happy-End - brach etwas auf: langezeit blieb ihr Gesicht
weggewandt. Zitterwellen durchpulsten die blassnackte Schulter.
Trost wusste keinen er: kussinnen entzog sie sich jäh.
Duftend und frisch kam sie wieder, wagte, sich an ihn zu lehnen;
hilflos umfasste er sie; Streicher beluden die Luft.
Schließlich riet ein entfernter Vertrauter ihm, Klarheit zu schaffen.
Um dessen Rede entrückt von ihr erwartete er
sätzebestückt vor dem Eingang des Schwimmbads das Ende der Frühschicht.
Streifend die Kappe vom Zopf, rauchend, ermüdet, erschien
sie, seine Vorwürfe, angebracht mit dem Mut des Gerechten,
trafen auf mattes Verstehn. Nichts von ihm stimmte, ihr Rauch
blieb um die Säulen gelegt, drüben blitzte die blanke Fassade.
Plötzlich befreit schlug er vor, schwimmen zu gehn. Erst der Druck
wiedererwachten Misstrauens - sie schwieg ob des Grunds ihres Weigerns -
bracht ihm den Willen: Jetzt lag, neben ihm professionell
kraulend ihr Körper im Becken, geschmückt von dem grauen Bikini,
den also immer sie trug unter der Uniform. Keins
seiner euphorisch getauchten Sperenzjen erreichte sie, sondern
Bahn um Bahn zog sie ruhig zwischen den Armen hindurch.
Fahl wachte andersbesetzt gesichtslos der klappschwarze Randstuhl.
Anderer Lungen Chlorluft hob sich tauchtief, um ihr Herz
pochen zu hörn, an die wasserverschlingerte Brust. Seine Füße
strampelten leichtes. Ihr hing schwadiges Dickglaswandlicht
zwischen den Schultern. Unter dem Turmschatten tauchte sie,
als er gespiegelt erklomm - Silber um Silber - das Brett.
Zarter enthob ihren Körper der Luft von dort oben das Wasser,
schwimmend, von Flecken umspielt manchmal verwischenden Lichts.
Kinder nur sahn zu ihm auf, die die Wachfrau verbissen ermahnte.
Im schwarzen Stecknadelkopf blieb ein geahnter ihr Blick.
Leer schoss ihm Raum durch die stürzenden Ohren.
Ohne Erklärung
machte sie tags darauf Schluss. Meidend das Schwimmbad erfuhr
trotzdem er bald von den weiterhin schwimmenden Freunden: sie hatte
rasch einen anderen Freund. Lang aber hielt auch nicht dies.

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lost
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eine Auswahl an Flüchtigkeitsfehlern, die man evtl. redigieren könnte: - Versicherungspalast(e)s
- wagte | er
- Zopf, den
- Luft, flitzten
- leiseres Chaos
- vor, ohne die Art der Beziehung zu nennen
- usw. ...
ansonsten: ich weiß nicht.
möchtest du den Text als "gedrechselte Soap" verstanden wissen? als Parodie? oder ist er "ernst gemeint"? ich verstehe den Text nicht: das ist nicht auf den "Plot" bezogen; ich begreife, dass es eine (soapige? warum? sagt die Verwendung dieses Begriffes im Vorspann etwas aus?) Liebesgeschichte sein soll, sehr nass, da schwimmhallengebunden, mit kurzen Intermezzi auf dem Trockenen, im Café, im Bett, was eben so üblich ist; aber ich kann den Text nicht verankern; er enthält keine Botschaft, keine Aufforderung, keine Spur, die mich zu einer Idee davon führen könnte, was er denn nun will von mir oder mit mir als Leser, wie er verstanden werden möchte oder könnte - das heißt aber für mich, dass da nichts ist, was mich anregt, ich lese "ins Leere" und bin gelangweilt; ich weiß nicht, ob du verstehst, was ich meine? er scheint mir also langatmig, dieser Text, schwurbelnd (gelegentlich bis an die Grenze "der Unsäglichkeit"; der vordere Teil schlimmer als die zweite Hälfte); gedrechselt, ja, der Text versackt in seinen eigenen Sprachschwellungen, höchst gekünstelte Ödeme, diese sind aber nicht auf sich selbst umspielende (und insofern parodierende) Weise geschwollen, sondern eben "ernsthaft". das macht mich ratlos.
lachen musste ich dennoch an einigen Stellen, hier zum Beispiel:
Trotz, Eifersucht stieg in ihm auf,
wenn er in seichten Gewässern hindümpelnd beäugte der Gruppe
munteres Quatschen
hier steckt Parodie-Potential (in der Kombination von "althergebrachtem Versmaß" und einem alltagssprachlichen Ausdruck wie "Quatschen"); allerdings fehlt (siehe oben) eine Spur oder Führung für den Leser, wie diese Stelle zu nehmen sei, das parodistische Potential wird nicht ausgeschöpft, es soll wohl auch keine Parodie sein, so dass es mir schlichtweg misslungen erscheint (denn "ernst nehmen", sprachlich, kann ich eine solche Stelle nicht) - Realsatire also, Beispiel für einen Text, der sich unbeabsichtigt lächerlich macht(?).
lächerlich wirkt auf mich auch die Häufung von Ellisionen hier (unter anderem):
Treffpunkt Café: eine wollige Sonne tat nichts gegens Nieseln.
Jeans trug sie; drüber schwarz-weiß. Gieriges Trinken entrann
ihrem Koffeindurst. Er schlürfte behäbigen Milchschaum,
kitzlig von ihrem betont schamangetriebnen Gespräch.
nun, kurz und gut: dieser Text, dieser Stil ist mir, fast möchte ich sagen - "unsympathisch", ja, etwas unsympathisch in seinem aufdringlichen, unsensibel trumpfend mich als Leser überrollenden und sonderbar inkonsequent epigonal gedrechselten Duktus, der zwar eine Art hat, sich selbst treu zu bleiben, das wohl, und das ist immerhin etwas, jedoch mir nun einmal nicht gefallen will, mich gar empfinden macht wie möglicherweise ein Kater, gnadenlos gegen den Strich berührt, empfinden mag.
andererseits: eine Übung in Hexametern, warum auch nicht, und vereinzelt auch schön gelungene Bilder oder Kombinationen (z.B. eine wollige Sonne tat nichts gegens Nieseln), die aber leider untergehen in der Länge und Schwurbelhaftigkeit des "Ganzen".
dies frei heraus gesagt im Bewusstsein, dass meine Meinung zu diesem Text im Grunde ganz unerheblich ist.
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Jolante
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16.07.2008, 19:14 / 1 x geändert
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Ich glaube, du weißt sehr gut, lost, dass deine Meinung zu hier veröffentlichten Texten niemals unerheblich ist, ganz im Gegenteil. Dennoch hätte es deines trefflichen Kommentars nicht bedurft, um mich beim Lesen dieser Verse völlig herunterzustimmen. Ich habe mich tapfer durchgekämpft bis zum voraussehbaren Ende, aber was hat es mir gebracht? Was bringt es dir, lieber Vladimir, wenn du so künstlich verkomplizierte Texte schreibst? Nimm mir diesen Einwand nicht übel. Ich halte dich für durchaus literarisch begabt und gebildet. Vielleicht ist ja mein Gemüt zu schlicht für derartig hochgestochene Konstrukte, und du wirst mich eines Besseren belehren.
Was mir dennoch gefällt, ist dein Mut zum Experimentieren.
Gruß Jolante

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augustine
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Hallo, Vladimir, schön, dass du wieder da bist!
Hallo lost und Jolante, die ihr euch gestört fühlt von der "gedrechselten Soap". Ich finde aber: was so angekündigt wird, darf doch mit dem tiefernsten Metrum des Hexameters drechseln und sommerspielen! Ich jedenfalls hab' mich gar nicht gelangweilt, sondern im Gegenteil köstlich amüsiert und gedacht: was fällt ihm denn nun noch wieder ein? (Vielleicht war's ja auf dem Rückflug, vielleicht war so eine Nacht zu überstehen?)
Fröhliche Grüße von augustine

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Vladimir²
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Hallo lost, Jolante, augustine,
ich hätte gedacht erst nach Tagen wenn überhaupt Antwort zu bekommen, bei der Länge des ganzen, danke also vorab für die Mühe!
Also... erstmal ist euch doch hoffentlich aufgefallen, dass es nicht bloß Hexameter sind, sondern elegische Distichen? Man kann hier ja keine Einschübe machen, dann wärs noch deutlicher gewesen, aber auch so müsste sonst die Hälfte der Verse sehr holprig klingen, wenn man sie als Hexameter liest...
Dann zur Einleitung: Ich merke, dass sie ungenau ist, und weiß nicht, ob ihr "richtig" gelesen habt. Es spricht durchweg derselbe Sprecher, die "gedrechselte Soap" ist also kein spöttelnder Kommentar eines auktorialen Erzählers, sondern Ausdruck des Selbstzweifels, des Mangels einer ungebrochenen, eigenen Sprache des lyrischen Ichs, das sich nur Phrasen wiederholen sieht, in denen das, was er sagen will, direkt wieder vom sonst gebrauchten überrollt wird. Dieser jemand nun erzählt die Geschichte, findet offenbar kein anderes Ausdrucksmittel als seine Geschichte umzuerfinden, und so jedes Detail zu überzeichnen, so dem "gewöhnlichen" zu entzerren, dass irgendwo in dem allen trotz der schrecklichen Banalität vielleicht Ausdruck findet, was er sagen will.
Dass das etwas weit hergeholt ist, wenn man bloß die Elegie betrachtet, ist mir bewusst, ich dachte auch zwischendurch diese Einleitung einfach zu streichen.
Es ist also durchaus ernst, lost, auch wenn man natürlich lachen soll (hab ich ja selber auch, auf dem Fahrrad in der Toscana und dann am Meer, um deine Frage zu beantworten, augustine.) Wenn euch nichts davon auf irgendeine Weise mehr berührt, als eben eine stinknormale Liebesgeschichte - gut, vielleicht habt ihr ja doch ein wenig Vergnügen dabei, euch die einzelnen Dinge vorzustellen, wie sie dort stehen.
Vladimir

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