Heckenrose · windflug · ·


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      windflug



Heckenrose

   07.07.2008, 18:55 / 2 x geändert



Königin der Vogelfreien am Straßenrand
Hast dich wieder einmal entzogen
dein Kleid in den Schrank gepackt
die glänzende Kugel
eh ich dich ergreifen konnte
deine Wildheit in meine Mauern stellen
Die letzten Fetzen überlass ich den Hummeln
warte bis nächstes Jahr
und träum solang von deinem unerschrocknen Purpur

 

      augustine



RE: Heckenrose

   08.07.2008, 23:57



Ich freu mich sehr, einmal wieder etwas Eigenes von dir zu lesen, windflug!
Und es heißt "Heckenrose" und steht unter "Natur" - ich werd' mich also zurückhalten mit Metaphernunterstellungen und einfach denken, du könntest gesehen und beschrieben haben, was ich nur gesehen habe:
hier.

Wenn's wirklich ganz einfach ist, versteh ich's. Nur: warum ist der Purpur (der Hagebutten doch?) 'unerschrocken'?

Liebe Grüße von augustine

 

      ear



RE: Heckenrose

   09.07.2008, 07:35 / 1 x geändert



Liebe windflug, ein wahrhaft koenigliches Gedicht ueber die Hundsrose der Hecken, in ihrer Bluetenpracht ebenso wie in der dunkleren Pracht der Scheinfrucht, welche die Voegel anlockt,um die Ausstreuung der Samen zu uebernehmen.
Frei, fast jede Bodenform annehmend und durch ihre Stacheln abwehrenden Schutz bietend.
Im Duft der Blueten betoerend und in der Faerbung der Blueten wunderbar vielseitig. Eine wirklich koeniglicher Busch, voller Schaetze:
die Blueten im Salat, die Hagebuttenschalen in Gelee, Pueree oder Marmelade, als Wein, oder, wie im Vietnamkrieg, mit Tabak vermischt als Hallunisation, frueher auch gegen Bisse wilder Hunde verwendet.
Es gaebe mehr zu sagen, aber worauf augustine bereits hinweist, es steht unter 'Natur'.

 

      windflug²



RE: Heckenrose

   12.07.2008, 16:41



Liebe augustine, liebe ear,

danke für eure Beschäftigung mit meinen Heckenrosen, die tatsächlich unter Natur stehen und ein Gesehenes beschreiben, aber auch darüber hinausweisen könnten. Mit dem Purpur, augustine, sind eher die Blüten gemeint als die Hagebutten, und die haben für mich etwas Unerschrockenes, wie sie da so leuchtend am Straßenrand stehen.
Wie immer, ear, freue ich mich über deinen kenntnisreichen, weiterführenden Kommentar. Dass die Hagebutte auch hallozinogene Wirkung hat, war mir zum Beispiel völlig neu. Und wer weiß, vielleicht komme ich dieses Jahr ja auch einmal dazu Hagebuttenmarmelade herzustellen.

Es grüßt euch herzlich
windflug

 

      Jolante



RE: Heckenrose

   02.08.2008, 14:46 / 2 x geändert



Die Heckenrose zählt zu den wenigen Blumen, die mich schon als kleines Kind fasziniert haben, vielleicht, weil sie so anspruchslos und dennoch unübersehbar an Straßen- und Wegrändern leuchtet, zum Beispiel mitten in der Stadt auf einem Ruinengrundstück, von denen es in meiner Kindheit so viele gab. In deinem Gedicht ist sie vogelfrei, wild und unerschrocken, das passt gut, finde ich. Sie trotzt der Tristesse ihrer Umgebung durch ihre kurzlebige, ungekünstelte Schönheit. Sie entzieht sich, entblättert sich, wenn man sie pflücken (=vereinnahmen), kultivieren will. In deinem Gedicht, liebe windflug, sehe ich sie auch als Metapher für Außenseiter und Nonkonformisten. Damit habe ich in dein "Naturgedicht" vielleicht mehr hinein- als heraus gelesen, ich weiß es nicht wirklich. Ich weiß aber, dass mich die Zeilen berühren, auch wenn mir bewusst ist, dass Berührtsein als Kriterium für die Beurteilung von Textqualität nicht ausreichend ist. Meine Maßstäbe sind nun mal in erster Linie subjektiv, obwohl ich mich auch und immer wieder um objektive Kriterien bemühe. Die Heckenrose in ihrer Widerständigkeit und zugleich Flüchtigkeit, das ist für mich auch "windflug".

Es grüßt Jolante

 

      windflug²



RE: Heckenrose

   04.08.2008, 12:33



Liebe Jolante,

über deinen subjektiven Kommentar habe ich mich sehr gefreut. Objektiven Kriterien vermag dieses Textchen wahrscheinlich nicht zu genügen - das ist mir bewusst - aber ich habe es hier trotzdem eingestellt, weil mir die Art des Gesprächs über Texte, wie sie hier lange Zeit gepflegt wurde und immer wieder auch noch wird, viel bedeutet. Was du in deinem Kommentar schreibst, ist ja nicht ein bloßes "Berührt mich, ist deshalb schön", sondern ein assoziatives Sich-Nähern an den Text, ein Anknüpfen an persönliche Erinnerungen und ein aufmerksames Wahrnehmen des Textgefüges.
Ich möchte damit gar nichts gegen die eher akademische Diskussionskultur in anderen Beiträgen sagen, die ich interessiert verfolge, zu der mir aber im Augenblick der Zugang fehlt (wahrscheinlich auch deshalb, weil es da selten um lyrische Texte geht, die mir einfach näher liegen). Schade fände ich es nur, wenn sie zu einer Verdrängung führen würde - die Hemmschwelle hier etwas zur Sezierung freizugeben steigt zumindest bei mir.

Liebe Grüße
windflug




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