Heine, Heinrich (1797-1856) · Younis der Poet · ·


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      Younis der Poet



Heine, Heinrich (1797-1856)

   03.07.2008, 00:37



Ein Weib

Sie hatten sich beide so herzlich lieb,
Spitzbübin war sie, er war ein Dieb.
Wenn er Schelmenstreiche machte,
Sie warf sich aufs Bett und lachte.

Der Tag verging in Freud und Lust,
Des Nachts lag sie an seiner Brust.
Als man ins Gefängnis ihn brachte,
Sie stand am Fenster und lachte.

Er ließ ihr sagen: O komm zu mir,
Ich sehne mich so sehr nach dir,
Ich rufe nach dir, ich schmachte -
Sie schüttelt' das Haupt und lachte.

Um sechse des Morgens ward er gehenkt,
Um sieben ward er ins Grab gesenkt;
Sie aber schon um achte
Trank roten Wein und lachte.

 

      lost



RE: Heine, Heinrich (1797-1856)

   16.07.2008, 17:04



bedauerlich, dieses pessimistische Frauenbild bei H.H.!
die Frauen, welche mir kennenzulernen vergönnt war
im Laufe meines Lebens, nah und sehr nah,
waren und sind so ganz anders. ein Glück!

 

      rollerball



RE: Heine, Heinrich (1797-1856)

   18.07.2008, 10:51



Hier ist eine andere Beziehungskiste, mit viel Selbstironie:

Heinrich Heine: "Lotusblume" (1856)

Wahrhaftig, wie beide bilden
Ein kurioses Paar,
Die Liebste ist schwach auf den Beinen,
Der Liebhaber lahm sogar.


Sie ist ein leidendes Kätzchen
Und er ist krank wie ein Hund,
Ich glaube, im Kopfe sind beide
nicht sonderlich gesund.

Sie sei eine Lotusblume
Bildet die Liebste sich ein;
Doch er, der blasse Geselle,
vermeint der Mond zu sein.


Die Lotusblume erschließet
Ihr Kelchlein dem Mondenlicht.
Doch statt des befruchtenden Lebens
Empfängt sie nur ein Gedicht.

 

      Jolante



RE: Heine, Heinrich (1797-1856)

   19.07.2008, 20:13



Recht aufschlussreich, was Heine zu seinem Frauenbild sagt, dass du, lost, pessimistisch nennst:
"Madame, wenn man von mir geliebt sein will, muss man mich en canaille behandeln."

(aus Reisebilder, Das Buch Le Grand)

Grüße von Jolante




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