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      Soleil



Leere

   23.06.2008, 00:42



„Es bedrängt mich von allen Seiten, engt mich ein. Es drückt auf meinen Kopf, meinen Körper, meine Brust und nimmt mir die Luft zum Atmen. Mein Hals schnürt sich zu, ich ringe um Luft, doch kein hörbarer Schrei verlässt meine Lippen, lautlos entrinnt er meinem Mund, lautlos für meine Mitmenschen. Sie können es nicht hören, nicht sehen und würden es nicht verstehen, es sind meine Qualen, meine alleinigen. Niemand teilt sie mit mir, kann nachvollziehen, was ich fühle. Ich bin allein.
Und doch werde ich von so vielem eingeschlossen. Ich habe verlernt mich frei zu bewegen, mich frei zu entfalten und frei zu denken. Starr vor der Angst, von den gewaltigen, unbezwingbaren Mauern erdrückt zu werden, die sich wie ein Gefängnis um mich herum aufgetürmt haben. Sie sind nicht von Stachelzaun geschützt oder gar besonders hoch, aber komme ich nicht über sie hinweg. Immer wieder stellen sie sich mir in den Weg, obgleich wie oft ich sie überwinde. Näher und näher rücken sie, kleiner und kleiner mache ich mich.
Eine Hülle ist lediglich geblieben, die kaum noch lebensfähig ist. Gefühle sind entflohen, kalt und leer liegt sie da. Ohne Geist, ohne Sinn.
Niemand kann in meinen leeren Augen lesen, sehen, dass sie vergessen haben, wie es aussieht zu lachen. Sehen, dass diese kein Glück mehr kennen. Es entflieht ihnen keine Träne mehr, denn sie wissen nicht wie man weint, zu viele Tränen wurden vergossen. Teilnahmslos blicken sie in die graue Welt, die so oberflächlich, so aufgesetzt und falsch wirkt.
Zu vieles hat mich verletzt, sodass mein Herz nun reglos daliegt. Vernarbt und zerbrochen kämpft es um jeden Herzschlag, die Lebensessenz wurde ihm genommen. Das warme Blut ist erkaltet, nur langsam und jäh zirkuliert es in meinem Körper.
Ich zittere, es ist so kalt.
Keine Gefühlsregung durchströmt mich mehr, erhellt mein dunkles Herz, bringt meine Augen zum Glänzen und meinen starren Körper zum Beben.
Wie fühlt es sich an, wenn ein Glücksgefühl dich durchdringt? Ich weiß es nicht.
Ich bin taub. Taub für Freude und Glück, die Schmerzen kamen zu oft und haben mich nie losgelassen. Sie haben mich stumpf werden lassen, stumpf gegenüber meinen Freunden, meiner Familie und der Liebe.
Meine Finger tasten mein Gesicht ab, doch ich fühle nichts. Sie ruhen auf meinen blassen Lippen, doch sie fühlen nichts, zu lange wurden sie nicht mehr von fremden berührt. Heiße Küsse und warme Hände sind Vergangenheit, zurück bleibt die gewohnte Kälte. Das einzige Gefühl, das ich zulasse, das ich mir zugestehe.
Ich friere, niemand wärmt mich.
Jeder Atemzug schmerzt, mein Wille unterstützt ihn nicht mehr, ein Zwang bleibt. Immer und immer wieder atme ich diese schmutzige eiskalte Luft ein, ich sträube mich, aber die ausreichende Kraft fehlt mir.
Einst hat sie mir jemand gegeben, alte Zeit.
Er hatte mich aufrichtig geliebt. Glücklich war ich nie. Mein Herz blieb verschlossen und seins wurde gebrochen. Meine Hälfte warf ich fort.
Es ist mir verwehrt zu lieben.
Farben sind entflohen, grau und trostlos liegt die Welt vor mir brach, die, die mir nie etwas geschenkt hat. Kein Sonnenstrahl durchdringt die feste schwarze Wolkendecke, kein Grün zwängt sich durch den harten, schneebedeckten Boden, Leben findet woanders statt, nicht hier.
In weiß gehüllt, unschuldig liegt sie da. Doch pechschwarz wird sie, wenn man gräbt.
Niemand gräbt, die Hülle ist schöner anzusehen. Und so wird es nie Frühjahr, der Winter bleibt und somit die Kälte. Nie wieder werden Blumen blühen, Sonnenstrahlen die Erde erwärmen und Bäche fließen.
Ich kenn mich nicht mehr. Ich schaue in den Spiegel und sehe nichts. Ich bin durchsichtig geworden.
Das Leid hat mich zerfressen, durchlöchert steh ich da, die Hülle hält nicht mehr, bekommt Risse, zerbricht.
Die Wände kommen auf mich zu. Es gibt keinen Ausweg aus dieser Dunkelheit. Blind laufe ich umher.
Stille. Kälte.
Ein silberfarbener Blitz.
Meine Brust sie bebt, ich lege die Hand auf sie. Kühles Nass benetzt sie.
Da ein Gefühl! Mein Herz springt.
Ein Schmerz legt sich über mich, ummantelt mich. Er ist angenehm, eine Wohltat, ein Gefühl.
Zwischen den schwarz weißen Facetten, sehe ich Farbe, rot ist meine Hand.
Glücksgefühle prasseln auf mich herab. Auch die andere Hand legt sich auf meine Brust. Sie fühlt, ja sie fühlt wie mein Herz tanzt.
Ich taumle in Euphorie.
Tief atme ich einen süßlichen Duft ein, Wärme durchflutet mich.
Dort ein Licht, meine Lippen sie bewegen sich, ein Lachen verlässt sie. Tränen überströmen mein Gesicht, heiß laufen sie meine Wangen hinab. Salzig treffen sie auf meinen Mund.
Das muss Glück sein!
Gleich ist der Herzenstanz vollendet. Meine Hände ruhen auf ihm, als ob sie versuchen die Wärme, Bewegung einzufangen.
Meine Glieder werden schwer, ich wehre mich nicht.
Freiheit flüstert’s in meinen Ohren.
Meine Augenlider fallen.
Ein heißer Stich.
Der Tanz ist beendet.“



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Edit 22.07.2010

- Faden von Tagebuch nach Entwürfe verschoben - Elise

 

      augustine



RE: Leere

   23.06.2008, 03:12



was erwartest du?
a) bestenfalls?
b) schlimmstenfalls?

augustine




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