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      augustine



2004

   18.06.2008, 19:12 / 4 x geändert



Man lässt was da beim Frisör (Haare).
Man nimmt was mit (Einsichten).
Klön-Erwägungen zu globalen Problemen, kurz;
kenntnisreiche
schwarz-rot-goldene Betrachtungen
von Fussballbewegungen,
ohne Bewertungen ges(ch)ehener
fouls, lang;
überdehnte Erörterungen
lokaler Ereignisse:
2004
ist sie plötzlich aus der Welt gefallen
in ihrem Garten
im Juni
in die Rosenbüsche,
die alte Dame von gegenüber;
nein, 2005 war das,
oder nich?
2004 is das Kind vom Bus
überfahren worden,
unbegreiflich,
vielleicht war das aber 2003 schon.
Die Zeit, wissen Sie, geht so schnell.
Unbeweglich und stumm steht die Praktikantin dabei,
die Hände auf dem Rücken.
Still läuft ihre Träne.
Die Kundin sieht sie im Spiegel.
"Was ist?"
"Es war meine Oma.
Ich stand dabei.
2004."

18. Juni 2008

 

      Ann-Marie



2004

   14.10.2008, 11:55



Nun vorab: ich bin hier wohl blutiger Anfänger im Forum :)

Das Gedicht ist eine Momentaufnahme beim Friseur. Sie Kundin versteht es als Small-Talk (was man eben so beim Friseur plänkelt) und tritt ins Fettnäpfchen. Aber so ist es wohl im Leben. Eine Szene, wie sie tagtäglich passiert.
Man möchte nicht in der Haut der Kundin stecken. Sie nimmt wohl die Einsicht mit nach Hause, dass die Zeit nicht für alle so schnell vergeht. Das Gedicht endet mit einer sensiblen Traurigkeit. Das gefällt mir sehr gut und bedarf eigentlich nicht vieler Worte mehr. Tagtäglich hört man von dem Tod anderer Menschen und sie werden für den Unbeteiligten ganz schnell zu einem von vielen. "Die alte Dame" und "das Kind" sind für die Trauernden aber "meine Oma" und "meine Tochter" und ihr Tod allgegenwärtig und unvergesslich.

Mir gefällt das Spiel der wörtlichen Rede. Man liest es ein zweites und ein drittes Mal und nimmt neben der Kundin Platz

 

      katermurr



2004

   27.10.2008, 22:43



Hallo,
das Erste was mir in den Sinn kam war:
Ich denke diese Szene könnte jedem von uns genauso passieren...
Wir reagieren mit "Oh Mist, Fettnäpfchen" und mutmaßen vor unserem
inneren Auge, das die Szene vielleicht schweigend weitergeht.... mit betretenem Schweigen von Seiten der Kundin,wahrscheinlich....
...ist es so?
Es gibt keine Anhaltspunkte dafür.
Ob es sich wirklich so verhält wissen wir nicht , in keiner Silbe wird das "danach" erwähnt... Aber trotzdem werden es viele so weiterdenken meiner Meinung nach...
Wer sagt uns das? Unser Gewissen? Unser Schamgefühl? Oder sogar der Respekt vor den Toten?
Sicherlich ist es auch der Respekt vor den Toten!
Aber jetzt ist meine Gedanke dazu:
Warum haben wir diesen Respekt oder diese Scham ERST wenn eine Verbindung zu der Toten in Form der Enkelin hergestellt ist?
Warum setzt der Respekt nicht vorher ein wenn lapidar über die Tote geredet wird?
Warum muss die Tote erst ein Gesicht(Verbindung Enkelin) bekommen um sie zu respektieren?
Das ist die Frage die mir durch den Kopf geht.....
Das macht dieses Gedicht so besonders.... es zeigt eine menschliche Schwäche auf....

katermurr




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