Gretchen
|
Hei sytash,
mal ganz direkt und ehrlich, sei mir nicht böse --- der Text liest sich für mich insgesamt wie ein krampfhafter Versuch, "modern" und "anspruchsvoll" zu schreiben: Eine disparate Aneinanderreihung von sanft schwulstigen, mystisch angetönten Bildern, die teils ins Lächerliche kippen; Erotik find ich weder in noch zwischen den Zeilen.
Ein Sprecher (dass er ein Er ist, schließe ich aus dem "Schoß" in Zeile 13) spricht (und man ahnt irgendwie, das ist alles ganz "bedeutsam" gemeint) über über-strömendes Sonnenblut, das "singt" (symbolisiert das wohl die erregend wallende Liebesschwingung, welche Sprechers untere Mitte erfasst? oder drückt sich hierin die Hoffnung aus, es möge irgendwas Warmes ihm endlich inspirierend über den Nabel rinnen? - ich weiß es nicht ...), dann steigt sofort und vollkommen unbegründet ein süß verbittertes Erdgeräusch durchs Gras empor (Antwort der Partnerin auf den sonnenblut-igen Sang des Sprechers? - wieder weiß ich es nicht ...).
Natürlich darf bei einer Vater-Sonne-Mutter-Erde-Naturorgie der Wind-der-Wind-das-himmlische-Kind nicht fehlen. Den (Wind - symbolisiert er "das Geistige" der Erotik?) fängt prompt der Sprecher in seiner Faust (warum eigentlich? was hat er davon? und - geht das überhaupt???), und diese Faust wiederum ist sonderbarerweise schon eine Zeile später dann "der Habicht meiner Liebe" (achduschandewattdattdenn?).
So klebt sich Bild an Bild, Phrase an Phrase, bedeutungsschwanger zurechtgemacht, für mich aber unglaubwürdig und aufgesetzt, ohne stimmige innere Logik, und jederzeit ganz unerotisch, obwohl der obligatorische "Schoß" bereit ist (wo kein Schoß, da kein Lieb undsoweiter, man kennt das ja ...), und obwohl Sprechers Gedanken "voll mit (?) dir" (eine merkwürdig gestelzte Formulierung) sind.
Zu guter Letzt wird es richtig intensiv, die mit-dir-vollen Gedanken zerschmettern (sich? - das passendere Verb wäre wohl "zerschellen" gewesen?) an jeder (warum an jeder?) Lüge -> ach ja, die Liebe macht den Menschen immer nackig, edel, wahrhaftig und gut, und bringt ihn auch in diesem Gedicht wieder dazu, sich mit Haut und Haaren hinzugeben, um im reinen Akt gehobener Empfindung innehaltend eine Kerbe in die Sehne des Moments zu hauen - eine Kerbe in einer Sehne ... hmm ..., das kann ich mir nun irgendwie gar nicht vorstellen und sehe stattdessen den Sprecher sich ein Kreuzchen in den Kalender malen und rot darunterschreiben: Fick mit Gerda. Unvergesslich! Zeit schien still zu stehen! Feine Sache! Kostbarste Erfahrung! Baldigst wiederholen!.
Gut, also Entschuldigung für alles, was ich geschrieben habe. Erotische Lyrik zu verfassen ist nicht einfach. Wie gefällt Dir eigentlich dieser Engel?
Grüße von Gretchen.

|  |