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ear
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25.04.2008, 15:36 / 2 x geändert
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Meine erste Reise nach Venedig, 13. bis 20. April 2008.
Eine Woche lang konnte ich Sonne und Wind geniessen, Italienisch lernen und Ausfluege machen. Ich war mit drei Leuten unserer Gruppe aus Ipswich und einer sehr grossen Gruppe aus Colchester unter der Leitung unseres netten sizilianischen Lehrers Giovanni mit Ryanair von Stansted nach Treviso geflogen. Da Venedig keine Autos hat und jeder zu Fuss geht, oder mit einem der vielen Wasserbusse faehrt, gibt es nur in etwa 1-2 Stunden Entfernung einen Flughafen. Ich wohnte bei einer aristokratischen Dame, aber meine Unterhaltung mit ihr war schwierig,wegen ihres starken venezianischen Dialektes.
Erst war das Wetter kalt und sonnig, es regnete einen Vormittag, aber dann hatten wir nur noch Sonne und Waerme. Draussen sitzend und ein Eis essend, sonst aber staendig zu Fuss ueber unzaehlige Bruecken, an Kanaelen entlang zu unseren vielen Ausflugszielen, die wir mit Wasserbussen erreichten: so gingen die Tage wie im Fluge vorueber.
Ich habe viel leere Gondolas photographiert, sie sehen wunderbar leicht, elegant und einladend aus, aber die Preise der Gondoliere sind so hoch, dass nur noch sehr reicheTouristen sich eine Fahrt leisten koennen.
Signora Luisa B. sprach ueber ihre Besuche in Sinfonie-Konzerten. Ihr Lieblingskomponist ist Shostakovitch, aber sie mag keine Kompositionen von Luigi Nono. Ihre Ansicht ueber den Ausgang der Wahlen war herzerfrischend , sie begreift nicht, dass sich ihre Landsleute ein drittes Mal von Berlusconi einfangen lassen mit vagen Versprechungen, die er nie halten wird.Es gibt keine Linken mehr, alles liegt in der Hand eines Mannes, es ist keine 'Wahl', der Sieger muss Berlusconi heissen, aber Veltroni ist ihm auf den Fersen. Wieviel weitere verlorene Jahre fuer Italien.
Die ersten wichtigen neuen Worte waren 'carretti ecologici'; jeder Abfall muss abtransportiert werden in grossen offenen Schiffen, also werden jeden Morgen kleine Plastiktueten unten vor die Tuer gelegt. Die Maenner, die diesen Dienst haben, brauchen viel Kraft, denn es geht ja staendig ueber Bruecken. Bruecken hinauf oder Bruecken herunter, grosse und kleine. Richtige kleine Strassen, aber ohne Autos gibt es auch, sie werden als 'Rio di terrà' bezeichnet. Muetter mit Kinderkarren haben gleiche Probleme, etwas groessere Kinder muessen laufen, ich habe in der Woche keinen einzigen uebergewichtigen Italiener gesehen, kein Wunder also, bei einer so gesunden Lebensweise.
Meine Unterbringung war sehr gut: ganz in der Naehe unserer 'Scuola Venezia' , wo wir von Montag bis Freitag je 4 Stunden nachmittags ab 15.30 Uhr Unterricht hatten. Es gab vier Gruppen, zwei 'Advanced', zwei 'Intermediate' und eine Gruppe fuer 'Beginners'. Ich hatte ein sehr grosses Schlafzimmer, Wohnzimmer, ein Bad und haette Kuechenbenutzung haben koennen, mit Kochen, Platz im Eisschrank, Kuehlschrank, aber fuer solche Dinge war die Zeit zu kurz, denn wir waren staendig unterwegs. Man wohnt in Venedig im 2. Stock, darunter ist es zu gefaehrlich, wegen eventuellen Hochwassers. 'L'acqua alta' kommt vier-bis fuenfmal pro Jahr. Viele Haeuser muessten dringend renoviert werden, innen und aussen. Ich wohnte im Universitaets-Viertel 'Dorsoduro', und sah viel Scraffiti an den Haeusern. Alles Wasser aus den Haeusern fliesst ungefiltert wieder in die Kanaele zurueck. Die Gemuese- und Obststaende auf den Maerkten bieten ganz frische Ware aus San Erasmo, einer der kleinen Inseln, an. Wir besuchten es, wanderten stundenlang an der Lagune entlang bei schoenstem Wetter und landeten schliesslich in einem grossen Agriturismo-Restaurant, wo uns fuenf Gaenge angeboten wurden mit reichlich Wein und Grappa zum Espresso. Der Boden ist Marschland, aehnlich wie in den Vier-und Marschlanden bei Hamburg .
Waehrend des Tages waren die Temperturen ziemlich hoch, aber gegen Abend wurde es schnell reichlich kuehl. Unser Ausflug zum aeltesten juedischen Ghetto fand an einem regenreichen Vormittag statt und leider hatten wir eine sehr unfreundliche Fuehrung, sodass der Gesamteindruck nicht erfreulich blieb. Um so erstaunlicher und wie ein Traum war am gleichen Tag abends eine Privat-Fuehrung in St. Marco. Wir kamen in die dunkle Basilika, setzten uns und warteten. Langsam gewoehnten sich unsere Augen an die Dunkelheit. Nur beredsame Stille. Dann aber gingen Lampen an, langsam fuellte sich der ganze Kirchenraum mit Licht, es war unbeschreiblich,wie Einzelteile ploetzlich ins Blickfeld gerieten. Es dauerte eine ganze Weile, bis St Marco voellig in Licht gebadet war. Dann erst begann die Fuehrerin, uns Erklaerungen zu geben. Wir konnten in die Crypta gehen , allein uns die herrlichen Marmormosaike betrachten, die Fresken, die Seitenkapellen: es war ein Stillstehen der Zeit.
Am naechsten Morgen ging es zur Insel San Servolo und nach kurzer Unterbrechung weiter nach San Lazzaro. Auf San Servolo waren Agaven und Palmen, auf San Lazzaro ein altes Benediktiner-Kloster der Armenier. Hier hielt sich Lord Byron auf, hier studierte er die zahlreichen wertvollen Manuskripte. Einer der letzten 24 Moenche fuehrte uns, sie muessen alle in Armenien geboren sein. Kostbare Gemaelde, Buecher und Manuskripte in vielen Sprachen sind Bestandteil eines Forschungszentrums.
In der Guggenheim-Sammlung sind alle Stilrichtungen der Moderne vertreten, im Garten stehen interessante Skulpturen.
Wir hatten eine gute Fuehrung durch das Teatro 'La Fenice', ein Opernhaus, welches zweimal total ausbrannte, aber jedesmal sofort im alten Stil wieder aufgebaut wurde. Im Rokoko-Stil sieht es alt aus, aber nur wenige Reste sind wirklich aelteren Datums. Der Name des Phoenix, des mythischen Vogels ,der sich immer wieder erneuert und aufersteht aus den Flammen hat sich prophetisch hier bestaetigt. Fresken zur Ehrung Dantes sind nur teilweise erhalten geblieben, sie wurden nicht restauriert , sondern fehlende Figuren wie eine Zeichnung angedeutet.
In der 'Accademmia' waren 24 Gemaelde aus Tizians letzter Zeit zu sehen, ein Selbstportraet , sowie Portraets anderer Persoenlichkeiten.
Interessant war es , als wir mit unseren Lehrern ueber wichtige Probleme im Bezug auf Venedig sprachen. Immer wieder ist das 'l'acqua alta', eine nicht geloeste Aufgabe. Sollte man eine Mauer haben? St. Marco mit seiner Piazza liegt besonders tief, sollte man das seit 18 Jahren existierende Projekt “MOSE” weiter ausbauen? Man hat zwei bewegliche Waelle auf dem Meeresboden errichtet, die bei Bedarf nach oben schwimmen, aber jedesmal die Ecologie, die sich dort angesammelt hat, zerstoeren. Sollte man die Kanaele entschlammen? Sollten die grossen griechischen Luxusschiffe verboten werden, die mit ihren Wellen die Haeuser beschaedigen? Sollte man die geplante Bruecke des Architekten Calatrava bauen? Letztlich ist es immer wieder eine Frage des Geldes, aber mehr noch der lokalen Regierungen.
Interessant war es , dass es ein Traghetto gibt, welches nur von Einheimischen benutzt werden darf. Und Venezianer werden in den Lokalen mit lokalen Preisen bedacht, nicht wie reiche Touristen, die ihnen zwar Geld bringen, aber schlimmere Probleme hinterlassen.
Ich fuhr zur Insel Giudecca, dann mit einem weiteren Vaporetto zur Insel Murano. Dort besuchten wir die Scuola di Vetro, wo Kuenstler aus aller Welt ihre neuesten Designs in Murano-Glas ausstellen, aber auch Kinder und Erwachsene Kurse belegen koennen, um dieses alte Kunst, das alte Gewerbe nicht aussterben zu lassen. Der Maestro di Vetro mit seinem Mitarbeiter zeigte uns das Entstehen einer grossen Vase fuer seine eigene Goldene Hochzeit. Das Endprodukt , welches nach 12 Stunden aus dem Ofen kommt, konnten wir nicht sehen, aber es war ein Kunstwerk!
Abends konnte ich die Premiere der Rossini-Oper 'Il Barbiere di Siviglia' erleben. Hoch oben im
5. Rang der 'La Fenice'. Es war eine ganz traditionelle Auffuehrung, mit Peruecken, Kostuemen des 16. Jahrhunderts, wenig aber gut gesetzen szenischen Einfaellen und meist sehr guten Saengern. Auf dem Wege zur Oper hatte ich noch Zeit, bei einer Darbietung Vivaldischer Musik, interessante Instrumente seiner Zeit zu besichtigen. Am letzten Tag fuhren George , ein ehemaliger Schauspieler in Stratford-upon-Avon und spaeter Antiquarian , der zu unserer Gruppe in Ipswich gehoert und ich zur Insel St. Giorgio Maggiore, besuchten die groesste Basilika und genossen die Sonne , einen Spriz= Campari, Prosecco und Selter sowie Panini. Ich wanderte spaeter noch einmal zur 'Accademmia' , ein zweites Mal durch die Tizian-Ausstellung und dann durch die riesigen Hallen italienischer Malerei mit Veronese, Tiepolo, weiter zum Markusplatz und zurueck. Letztes Abschiednehmen von Venedig und zurueck zum Treviso-Flughafen. In den fruehen Morgenstunden landeten wir in Stansted und ein Minibus brachte uns nach Colchester und Ipswich.
ear

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Elise
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Guten Morgen, ear!
Zunächst einmal: Es freut mich, von Dir im Forum ein Lebenszeichen zu haben, und ich hoffe, dass wir Dich in nächster Zeit wieder häufiger lesen werden.
Deine venezianische Woche war sehr intensiv, das wird rasch klar beim Lesen des Reiseberichtes, und ich meine auch zu spüren, wie sehr Du alles genossen hast, die vielen einzelnen Eindrücke, die eigene Atmosphäre der Stadt, Wind, Sonne, Wasser, die verschiedenen Speisen für Leib und Geist, alles, was es dort eben kennenzulernen, aufzunehmen und wahrzunehmen gab.
Schön, dass Du uns Kunde gibst von dieser besonderen Woche, dass Du das Erlebte in einem Reisebericht niederlegst und festhältst.
Mit herzlichen Grüßen,
Elise.

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Jolante
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28.04.2008, 13:27 / 3 x geändert
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Liebe ear,
schön, dich nach langer Zeit mal wieder im Forum zu sehen. Diesmal mit einem Venedig-Reisebericht, den ich mit Interesse gelesen habe, gehört doch der Besuch der Lagunenstadt zu meinen bisher unerfüllten Sehnsüchten. Natürlich habe ich schon sehr viel über V. gelesen, nicht nur Erfreuliches, und es hat sich mir vor allem durch Thomas Manns "Tod...", die grandiose Visconti-Verfillmung und den Film "Wenn die Gondeln Trauer tragen" eingeprägt. Deine sehr persönlichen Reiseeindrücke ergänzen dieses Puzzle, danke !
Lb. Gruß
Jolante
P.S.: Hallo Elise. Ebenso wie ear warst du eine gute Weile nicht mehr im Forum präsent (außer als Mod). Ich habe deine Beiträge vermisst. Wie gut, dass ear dich aus der Reserve gelockt hat.

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ear²
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Gerade gestern ehielt ich einen Brief der italienischen Schriftstellerin, Elvira Santacroce, in welchem sie ein Venedig im Winter beschreibt.
Ihr Rat ist, einen Monat zu bleiben und haeufig zurueckzukehren, um die vielseitigen Eindruecke dieser Stadt wuerdigen zu lernen.
'Verschliesse deine Augen nicht vor den Mauern , die wie Spitzendecken sind und deren Fundamente in der unendlichen Tiefe der Lagune versinken, in einer Stadt,die aus Extremen besteht. Venedig ist anfaellig und doch hat es eine beeindruckende, bemerkenswerte politische Vergangenheit. Alles spiegelt sich wider im Wasser, zittert und verdoppelt sich in bizarren Formen der Lagune.
Das Venedig im Winter, ist das eigentliche Venedig, ohne jeden Touristen, wenn das Gruen von dichtem Nebel befallen ist, einem undurchdringlichen Nebel, der in den Zweigen haengt und auf die Vorbeigehenden tropft. Echte Venezianer entdecken im Nebel noch den fahlen Schein der Sonne, mit San Marco ohne Tische und Stuehle, wie es im 17. Jaghrhundert war. Die Glocken aller Kirchen warnen den Fussgaenger, vor den Gefahren der ungeschuetzten Lagune und den Kanaelen, denn der Nebel laeest keine Umrisse erkennbar. Selbst, wenn man das staendige Laeuten der Glocken hasst, sie sind notwendig! Ein weiteres Geraeusch des winterlichen Venedigs sind die Stiefel, die das Eis zertuemmern und den Rhythmus des eingeschlagenen Weges verdeutlichen. Das Schlagen des Wassers gegen die Mauern verfolgt einen in den Schlaf, wenn der Gondolier das Ruder einzieht und sein typischer Ruf, wenn er in einen Canal einbiegt. Unvergesslich auch das Stoehnen der alten Vaporetti.'
Ich werde kaum eine Gelegenheit dieser Art, Venedig im Winter zu erleben, haben , aber Elvira Santacroces Schilderung, kommt sicher der Atmosphaere des 'Tod in Venedig' sehr nahe. Sie ist eine begeisterte Thomas-Mann-Leserin.

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zuppanova
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grüss dich ear,
wie Jolante sah auch ich Venedig noch nicht, habe also deinen reisetext aufmerksam gelesen und überhaupt mich gefreut, dass du vielleicht wieder etwas mehr freiraum und zeit fürs forum hast.
der Tod in ... (buch und film) fiel mir natürlich ebenfalls ein, dann auch noch Donna Leon bzw. Commissario Brunetti beim stichwort "acqua alta", denn Acqua Alta ist der titel einer Brunetti-geschichte, die ich einst las. ja, und dann muss ich noch Spätherbst in Venedig verlinken ...
und ich denke nun: am liebsten möcht ich zweimal gen Venedig reisen - einmal, wenn da kaum touristen sind, und das wäre am besten dann wohl, Santacroce's empfehlung folgend, im winter - und einmal so richtig zur hochsaison, um das massengefühl nicht zu verpassen.
danke jedenfalls, ear, für die stadt-rund-führung.
lg, zuppa.

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ear²
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Aus der Fuelle sehr gelungener Gedichte ueber Venedig, waehle ich zwei aus dem “Myrrten-Kreis”, vertont von Robert Schumann, dessen Kunstlieder im Gesangs- und Klavierpart das Geraeusch der Gondoliere taeuschend echt wiedergeben:
Venezianisches Gondellied No 1
Leis, rudern hier, mein Gondolier, leis, leis!
die Fluth vom Ruder spruehn so leise lass,
dass sie uns nur vernimmt, zu der wir ziehn!
o koennte,wie er schauen kann, der Himmel reden-traun
er spraeche vieles wohl von dem, was Nachts die die Sterne schaun!
Leis, leis, leis!
Nun rasten hier, mein Gondolier, sacht, sacht!
Ins Boot die Ruder!, sacht, sacht auf zum Balkone schwing ich mich,
doch du haeltst unten Wacht.
O, wollten halb so eifrig nur dem Himmel wir uns weihn,
als schoener Weiber Diensten traun,wir koennten Engel sein!
Sacht, sacht, sacht, sacht.
(Thomas Moore, deutsch Ferdinand Freiligrath).
Venezianisches Gondellied No 2
Wenn durch die Piazetta die Abendluft weht,
Dann weisst du, Pinetta,wer wartend hier steht,
Du weisst, wer trotz Schleier und Maske dich kennt;
Du weisst, wie die Sehnsucht im Herzen mir brennt.
Ein Schifferkleid trag ich zur selbigen Zeit,
Und zitternd dir sag ich, das Boot ist bereit.
O komm jetzt,wo Lunen noch Woken umziehn.
Lass durch die Lagunen , Geliebte, uns fliehn!
(Thomas Moore, deutsch von Ferdinand Freiligrath)
Und einesder bekannteren Epigramme
Johann Wolfgang von Goethes:
Venezianisches Epigramm
Diese Gondel vergleich ich der Wiege, sie schaukelt gefaellig,
Und das Kaestchen darauf scheint ein geraeumiger Sarg.
Recht so! Zwischen der Wieg und dem Sarg wir schwanken und schweben
auf dem grossen Kanal sorglos durchs Leben dahin.
Ich bedanke mich fuer die wertvollen Hinweise auf Lektuere ueber Venedig und:
zuppa und Jolante , Euch wuensche ich die Erfuellung eurer zukuenftigen Reisen nach Venedig.
ear

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ear²
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Noch ein kurzer Nachtrag:
Andrea Paluchs Familie , die im Oktober Venedig besuchte, erlebte mehrere Tage l'acqua alta, "wo die Boote nicht mehr anlegen, die Bruecken zu niedig sind und die unteren Stockwerke ueberflutet werden."
Fuer Kinder ein Spektakel.
Eine Welt des Abenteuers, wenn man noch Cornelia Funkes "Herr der Diebe" als Antrieb benutzt, um heauszufinden, "wo er wohl als naechstes einbrechen wuede."
Tiefseekrebse an der Rialto=Buecke werden dann ebenso aufregend wie das Muscheln und Steine-Suchen am Lido.
Ja es gibt einen kleinen Spielplatz, auf den ich zufaellig stiess.
(Andrea Paluch:Schleswig-Holstein Journal 2008, Tintoretto muss wartenII)

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augustine
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02.05.2008, 23:16 / 1 x geändert
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FREMDE STADT, VERTRAUTE STADT
Das wirkliche Venedig ist die Stadt der Touristen. Eine Bildergalerie und ein literarischer Essay aus der Zeit vor der Pauschalreise
Text: Mary McCarthy
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Textzusammenfassung
"Die vielleicht gescheiteste Frau, die Amerika je hervorgebracht hat", schrieb das Magazin "Esquire" über die 1912 in Seattle geborene Autorin und Literaturkritikerin. International bekannt wurde Mary McCarthy durch ihren Roman "Die Clique" (1963, deutsch 1968). Sie schrieb zahlreiche Rezensionen und Essays; für den Schriftsteller Norman Mailer war sie "our first Lady of Letters". Ihre Venedig-Betrachtung "Venice observed" erschien erstmals 1956 und wurde 1999 auf Deutsch neu aufgelegt. Mary McCarthy starb 1989 in New York.
Gianni Berengo Gardin, Fotograf
Der 1930 geborene Gardin ist einer der bekanntesten zeitgenössischen Fotografen Italiens. Nach einer Karriere als Mode- und Werbefotograf wandte sich der in Mailand lebende Gardin Architektur- und Landschaftsaufnahmen zu. Seine Venedig-Impressionen sind in den sechziger Jahren entstanden. Er veröffentlichte mehr als 140 Bücher; einige seiner Arbeiten sind im Museum of Modern Art in New York zu sehen. Exklusiv für mare porträtierte er in Heft No. 12 die Hafenstadt Triest.
Die Fotografien zu dem Essay von Mary McCarthy sind hier leider nicht abgebildet.
"Fast jeder Venezianer, selbst ein Kind, wird alles stehen und liegen lassen, um einem irgend etwas zu zeigen. Sie weisem einem nicht nur den Weg, sie führen einen oder folgen einem sogar zuweilen, um sich zu vergewissern, dass man nicht falsch geht. Ihre größte Angst ist, das man eine künstlerische oder 'typische' Sehenswürdigkeit verpassen könnte ... Das ist venezianische Höflichkeit. Fremde, die hier lange gelebt haben, bemerken dazu nur: 'Sie haben nichts anderes zu tun.' Aber die Nichtstuer sind hier äußerst wach, halten immer Ausschau nach Leuten, die etwas besichtigen wollen; nichts entzückt einen geborenen Venezianer so sehr wie eine freie Fahrt in einer Gondola ...
Wenn die Venezianer am Abend spazieren gehen, so meiden sie nicht etwa den Markusplatz, wo die Touristen sind, wie das die Römer mit dem Doney-Lokal auf der Via Veneto tun. Die Venezianer sehen sich die Touristen an, und die Touristen betrachten sich die Venezianer ...
Nichts lässt sich (einschließlich dieser Feststellung) sagen, was nicht bereits [über Venedig] gesagt worden ist. ... Man findet sich damit ab, dass, was man im Begriff ist zu sagen oder zu empfinden, nicht nur bereits von Goethe oder Musset gesagt worden ist, sondern auch jedem Touristen aus Iowa auf der Zunge liegt ...
Und es ist zwecklos zu behaupten, dass das Venedig der Touristen nicht das wirkliche Venedig sei, was bei anderen Städten möglich ist - bei Rom, Florenz oder Neapel. Das Touristen-Venedig ist Venedig: die Gondeln, die Sonnenuntergänge, die wechselnde Beleuchtung, das Café Florian, das Café Quadri Torcello, Harry's Bar, Murano, Burano, die Tauben, die Glasperlen, der Vaporetto...
Aber das Hauptvergnügen der Venezianer sind die Ausländer. Seit der hinkende Lord Byron ihnen den Gefallen tat, durch den Canal Grande zu schwimmen, und George Sand in Männerkleidung mit Musset im Hotel Danieli wohnte, amüsieren sie sich auf unsere Kosten ..."
Die Textauszüge entstammen Mary McCarthys Buch "Venedig", 1999 bei Droemer neu aufgelegt (192 Seiten, 24 Mark); mare 18/2000.
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Doch im Netz gefunden, so dass ich nicht abzuschreiben brauchte. Die Hervorhebung der Touristenstelle ist von mir.
Mary McCarthy ist eine ebenso feinsinnige wie tiefgründige Beobachterin Venedigs gewesen.
augustine
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ear²
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Mary McCarthy-, eine der grossen satirischen und politisch stark interessierten Frauen , gepraegt von Amerika, England und Europa. Ihr Buch mit 8 Beitraegen 'Venice observed' von 1956, welches leider kaum noch erreichbar ist in dem urspruenglichen Hardcover-Einband., aber ich danke Dir, augustine, fuer den Hinweis auf die deutsche Neuauflage.
Die Textzusammenfassung wird mir im Fruehsommer eine reiche Nachwirkung meiner nur 8 Tage dauernden Reise bringen, die ich wegen As-Level Examina hinausschieben muss. Ich freue mich auch auf die Querverbindung McCarthys zu Hannah Ahrendt.
Dein Beitrag waehlte weitere andersartige Belichtungen dieser faszinierenden Spiegel-Stadt. ear

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