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sytash
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Selbstgespräche
In schwarzem Gehorch
Stumm dem Entlieben
Alles Gewichten hinter
Lippen, unter Zungen
Hingelärmt

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Vladimir
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Hallo sytash,
Das einzige, was aus der Rückzugsbewegung noch nach draußen weist: "schwarzes Gehorch" - aber selbst das seltsam überlagert mit Selbstgesprächen, die in ihm stattfinden, und jedes echte Horchen dann doch wieder unmöglich machen - oder? Ich lese das ein bisschen als das unwillkürliche doch noch hinhören, doch noch warten, doch noch hoffen im Prozess des "Entliebens" - und "schwarz" vielleicht, weil selbst das kaum noch offen gemacht werden kann, weil es wieder verletzbar macht, und von Selbstgesprächen überlagert, weil man sich dieses Hören selber kaum eingestehen will, es nicht ganz wagt.
Dann kann ja auch das, was dort geredet wird, nicht die Liebe, nicht "Alles" sein, denn dies ist verstummt. Wem nun gewichen? Was ist "Entlieben"? Ich gebe zu, dass ich das Wort nicht besonders mag, hier lese ich es als freilich als Trennung.
Jedenfalls ist das Entlieben selber als Abnahme von Liebe im lyr. Ich kaum spürbar. Die Nennung dieses Wortes scheint auf einer Art zynischen Überlegung zu beruhen, etwa: "So, jetzt, da ich sie nicht mehr sehen werde, beginnt also die Zeit des Entliebens. In ein zwei Monaten wird alles vorbei sein" - aber dieses vorbei ist eben nur vom Verstand vorausgesagt, nicht aber vom Herzen gefühlt (das sich ja gewöhnlich gegen ein solchen "Vorbei" selbst im Unglück, selbst in der Trennung mit allen Kräften wehrt).
Wenn man das bedenkt also ein sehr reizvoller Wechsel in der Perspektive, der Art zu Sprechen und des inneren Sprechers selber.
Beide "Sprachverquickungen" sind dann meiner Meinung nach gelungen: das "hinter Lippen gewichen" einmal als beinah unheimliches zurückweichen in den Mund (ich hab die Assoziation von ausgeatmeter, und dann wieder eingesogener oder zurückgeführter luft, was das gifthafte, unnatürliche, ungesunde verstärkt), und dann sind es dort auch noch Gewichte, also es bleibt dort, bleibt spürbar, aber stumm.
Und "Hirngelärmt" funktioniert ebenfalls in beiden Bedeutungen: als gelähmt (so hab ichs zuerst gelesen), weil das Hirn eben schon mit Selbstgesprächen beschäftigt ist, die mit "Alles" schon nichts mehr zu tun haben oder es eben lähmen; und als "gelärmt", weil diese Selbstgespräche, so wie sie das Horchen erschweren, auch dieses "Alles" nur belärmen können.
Womit ein hübscher Bogen wieder hin zum Anfang geschlagen wäre.
Auch der Rhythmus gefällt mir. Dass der letzte Vers eine Silbe weniger hat, als der erste passt zum Inhalt. Die Verseinteilung folgt und bricht die Syntax in einem Maß, das der Reduziertheit und Starre des Inhalts entspricht, ohne selber zu erstarren.
Alles kann sich der Ähnlichkeit mit Celans Spätstil freilich nicht entziehen.
Liebe Grüße,
Vladimir

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augustine
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19.04.2008, 15:35 / 3 x geändert
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Auch hier nur Anmerkungen.
Dass du hier schriebst, vladimir, darf ich doch (auch?) für ein Ergebnis des Gesprächs mit lost bei deinem Gedicht halten, nicht? Freilich kannst du sagen: so viel erst Einarbeitungs-, dann Bedenk-, dann Schreibzeit, dann Korrektur-Lese-Zeit, sei ja derzeit auch nicht gefordert, und da gebe ich dir recht. Trotzdem war's gut, dass lost dich mal, über längere Zeit betrachtet, auf einen Sachverhalt hingewiesen hat, den ich auch bemerkt habe - mit dann gar nicht freundlichen Gedanken. -
Dann hast du dich zuerst verlesen: bei "-gelärmt": 'gelähmt'. Ich glaube aber, entweder hast du dich nochmal verlesen (bei "Gewichten" liest du "gewichen", und das geht in dein Verständnis so ein), oder sytash, du hast dich verschrieben. Mit 'gewichen' kann ich dir, vladimir, folgen; mit "Gewichten" dir, sytash, nicht. Die Groß- und Kleinschreibung spielt dann da auch noch eine Rolle.
Ja, Celan.
Solche doch wohl dir, sytash, als dem Autor nicht entgangene Allusion ist mir auch aufgefallen.
Ich denke, es könnte (wenn überhaupt ein einzelnes) dies Gedicht von Celan sein, eins von denen, die er im Dezember 1967, mit Peter Szondi durch Berlin gehend (die Stadt, in der die industrielle Judenvernichtung erdacht wurde und eine Generation früher Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg in den Landwehrkanal gestoßen wurden, R. L., "die Sau"); mit Peter Szondi, der, nach Celan, gleichfalls noch ein spätes Opfer wurde ...:
Das Gedicht:
DU LIEGST im großen Gelausche,
umbuscht, umflockt.
Geh du zur Spree, geh zur Havel,
geh zu den Fleischerhaken,
zu den roten Äppelstaken
aus Schweden -
Es kommt der Tisch mit den Gaben,
er biegt um ein Eden -
Der Mann ward zum Sieb, die Frau
mußte schwimmen, die Sau,
für sich, für keinen, für jeden -
Der Landwehrkanal wird nicht rauschen
Nichts
stockt.
Szondi hat über diese Tage geschrieben in Celan-Studien, nur wenige Seiten, Eden, S. 113-125.
(Ich kannte das Gedicht noch nicht, als ich's 2005 zuerst sah - in Celans Handschrift, eingetragen als Widmung in Szondis Exemplar von Atemwende... Verzeiht bitte beide, dass ich's erwähne.)
Und du, sytash, sei willkommen. augustine

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Vladimir
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Ich habe da an andere Gedichte gedacht - müsste nach konkreten aber suchen. Egal. Ist ja nicht Sinn der Sache, nun das ähnlichste Celan-Gedicht zu finden...
Und... das "Gewichten" hab ich vor allem der Syntax willen als "gewichen" gelesen, und verstehe das "t" so, dass eben die "Gewichte" als Färbung da auch anwesend sein sollen, vielleicht sogar so, dass dieses "Alles" hinter den Lippen sich in Gewichte verwandelt.
Beste Grüße,
Vladimir

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sytash²
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Hallo Augustine und Hallo Vladimir
Ihr habt das gedicht gelesen, hab ich gesehen. Da gab es Verständnis-,oder Leseschwirigkeiten.
Es tut mir leid, daß ich erst jetzt dazu schreibe. Habe nämlich z´ Haus kein Netz. Deshalb schwerer Fall.
Nein Spaß; Ich muß eben in Internetcafes gehen oder irgendwohin, wo es gratis Internet gibt und ich auch Zeit habe zu schreiben. Dennoch komme ich nicht umhin zu schmunzeln (Problem mit Ernst der Sache).
Aber gut
Also:
Es heißt "Gewich T en" und zwar "das...", wie im Text (Alles....).
Und:
Es heißt "Hingelä R mt".
So, jetzt tritt der Moment ein vor dem ich angst hatte. Ich muß meinen Gratis-Schreibplatz verlassen.
Ich bin beim Arbeitsamt und der Internetzugang ist auf 30 Minuten maximal zugelassen pro Person.
Hätte ich vorher nicht so rumgetrödelt.
Ich hoffe, daß ich bald weiterschreiben kann.
Danke
bis bald

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