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fdornhagen
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08.04.2008, 15:10 / 1 x geändert
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I
Meine Herbste sind immer so: der fast vergessene Vorort meiner Geburt, seit den letzten fünfundzwanzig Oktobern nur ein verschwommener Fleck von feucht-dämmrigen Straßen, kommt mir plötzlich in den Sinn – mit seiner vorgestellten oder wahrhaftigen Atmosphäre unausweichlich dazu führend, meinen Fußweg vom Bahnhof zu meinem Büro zu untergraben. Da ist eine Bö aus glänzenden Orangenblättern, die über Straßen und Plätze wehen. Eine Fracht, die die Bäume verlassen hat und die den Jahrestag eines dieser langwierigen Familiendramen, welches ich lieber nicht ausgraben möchte, bezeichnet. In der Brise dieses einen Augenblicks erwäge ich einen einfachen Anruf bei meiner Sekretärin, um für heute alle Termine abzusagen. Eine Parkbank sagt mir mehr zu, wo das Summen der Geschäfte verstummen wird und ich, sobald ich die Krawatte gelockert haben werde, letztendlich die Zeit finden kann, zu reflektieren.
Doch diese Entscheidung treffe ich nie. Unabänderlich, ein paar Minuten vor Neun, versiegelt die gläserne, mit Ätzungen versehene Tür des Atriums meine Welt des bewegten Kapitals gegen die kalten belebenden Windwirbel draußen. Ein Sicherheitsangestellter mit steinernem Gesicht, bezahlt eine Reihe von TV-Bildschirmen zu überwachen, signalisiert unsere exklusive Brüderlichkeit – ich bin der Gebieter, und dies ist mein Gebiet –, vermeidet mit gewohnter Bedächtigkeit meinen zweiten Blick. „Das sind heikle Zeiten“, sage ich, und bestehe darauf, meinen Ausweis zu zeigen. Ich rufe einen Fahrstuhl, warte davor im Foyer und beobachte einfach nur die Anzeige, wie er sich nähert. Mit dem Schlag dieser zwei demotischen Zeichen seines Geläuts, während ich meinen Aktenkoffer zwischen meinen Händen hin und her gleiten lasse, überlasse ich alles den Wirbeln da draußen, so dass jetzt der ganze Tag vor mir wie in einem Leib von wattierten Wänden eingefasst liegt, als ich zu den Höhen meines Penthauses hinauffahre. Bereits ein dutzend ausländische Investoren haben mir Guten Morgen gewünscht und Nachrichten hinterlassen, alle mit der Bitte, zurückzurufen.
Gerade an diesem Montag war es nicht so leicht, die Fallstricke der Vergangenheit abzuschütteln. Gladys, ironisch wie immer, hatte bereits Vaters Büste abgestaubt, eine Bronze, bestehend aus Kopf und Schultern, schamlos im Churchil-Stil gefertigt, und wartete ziellos auf mich, während unser Kaffee durch den Filter tröpfelte. Ich setzte mich, meinen Mantel immer noch aufknöpfend, mit dem Rücken zum Fenster. Ich schaltete meinen Computer an. Ich badete meine Wangen in den Farbtönen, die seinen Bildschirm füllten.
Dann, nachdem ich meinen Mantel aufgehangen hatte, begann ich meinen Tag mit dem ersten meiner monatlichen Berichte – Anteile, Hypotheken, Versicherungen. Es gab eine Liste, auf die ich immer zurückgriff, weil darin – nach Umsatz geordnet – kleine Unternehmen eingetragen waren, die nach neuen Investitionen suchen. Ich sah sie durch, prüfte jeden Namen, den ich noch nicht gesehen hatte, ging dann plötzlich zurück, um mich einer Adresse, die ich kannte, zu vergewissern: ein altes und weitläufiges Anwesen (seltsamerweise) Aitken Aspires genannt, ein Platz abseits hinter einer Terrasse von kleinen Geschäften und privaten Wohnungen, die an das Ealing Common angrenzen, gelegen. Seine Eigentümerin war Marisa Rae, oder besser: war immer noch Marisa Rae – dort nach einer halben Ewigkeit von fünfundzwanzig Jahren.
(c) P.J.Cowlam
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augustine
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09.04.2008, 20:29 / 3 x geändert
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Also, f, du stellst dich vor mit einem Text, der unter Romane steht, mit einem ersten Kapitel. Es ist nicht so, dass ich nicht auch mehr läse, wenn's kommt, aber es ist auch so, dass
ich dir den "Lektor" nicht glaube; dem würden nämlich eine Reihe elementarer Unrichtigkeiten nicht passiert sein.
Er beherrschte nicht nur die Gliederungsfunktion von Kommata perfekt; er hätte auch niemals seinen Mantel "aufgehangen", und er hätte "Churchill" mit 2 'll' geschrieben;
er wüsste, wie steif eine weite Sperrung um einen eingeschobenen Nebensatz herum wirkt; habe ich mir dreimal angemerkt; die ist nicht richtig, sondern scheußlich.
Er würde die Sprache der Bilder sicher handhaben und nicht etwas produzieren, was bloß zum Lachen ist: dass nämlich die VORSTELLUNG des in 25 Jahren fast vergessenen Geburtsortes seinen Fußweg vom Bahnhof zum Büro "unausweichlich" zu "untergraben" pflegt;
ihm wäre auch nicht eine sogar mehrfache Katachrese wie diese passiert: dass "der ganze Tag vor [ihm] wie in einem Leib von wattierten Wänden eingefasst liegt";
er hätte bedacht, dass (selbst wenn der Ort der Handlung ein südlicher sein soll mit Orangenbäumen in den Straßen) nicht just jeweils zu jenem einen ominösen Erinnerungstag eine Bö kommt und die Orangenblätter vor sich her treibt; und ob man nun seine Wangen "in den Farbtönen" eines Computer-Bildschirms baden könne, das frage du dich; ich finde es Bild misslungen und in der Sprache aufgeblasen-angeberisch
Ich gewinne den Eindruck: es soll alles sehr bedeutsam wirken: Geschäfte im 39. Stockwerk, pardon: in den "Höhen" eines Penthauses dort, wohin ein Fahrstuhl fährt, ja; aber "demotisch" ist eine verschriftlichte Sprachform, nicht eine Klangform; u. a.
Und mir fällt ein die Börsen-Internetblase der Jahre 2000ff, aus der dann bald die Luft entwich; piekt man nun in diesen aufgeblasenen Text, so fällt er auch recht peinlich zusammen.
augustine
edit: Fand eben deinen Namen in zwei anderen Foren. Würde auch gern wissen, wie deine Besprechungen eines Romans MARISA mit diesem hierher gestellten Text zusammenhängen. a.

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fdornhagen²
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hallo augustine,
vielen Dank für die Hinweise. Wie du richtig bemerkt hast, hängt dieses erste Kapitel mit dem Roman Marisa zusammen und stellt einen ersten Versuch der Übertragung aus dem englischen dar. Ich habe den Text hier hochgeladen, in der Hoffnung Anregungen zu erhalten, da ich selbst den Abstand nicht mehr hatte.
Das Pathos des Textes ist der Perspektivität des Erzählenden geschuldet, der die Welt nun einmal so sieht und so beschreibt… aber im Verlauf der Handlung gewinnt dieses pathetische Element immer mehr an Komik.
f.

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augustine
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Was ich "bemerkt" habe, Herr "Lektor" Dornhagen, sprang in die Augen.
Leider habe ich erst hinterher Ihrem Namen nachgegoogelt - sonst hätte ich ich meine Zeit sehr wohl anders zu nutzen verstanden. Andererseits pieke ich gerne Luftballons auf.
Ich möchte Ihnen auch raten, sich im Gebrauch von Fremdwörtern ein wenig kundiger zu machen, als Sie zu sein scheinen. Ihr Text ist nicht pathetisch, sondern aufgeblasen; ich sagte es schon. Und es gibt eine Erzähl- oder Erzählerperspektive, keine -perspektivität.
Vor allem aber: Sie stellten hier einen Text ein (hier und anderswo auch), der gar nicht ihr eigener ist ("Versuch einer Übertragung aus dem Englischen"), ohne das aber mitzuteilen. Nennt man das nicht den Versuch eines Plagiats?
Ich jedenfalls habe nun keinerlei Interesse mehr daran, den weiteren Verlauf der Marisa-Handlung hier kennenzulernen.
augustine
PS: Ich sehe gerade nochmal: dem Herrn war der "Abstand" zum Text abhanden gekommen. Das ist doch besonders dann köstlich, wenn der Text gar nicht der eigene ist ...
Im Übrigen gibt's das natürlich: abhanden gekommenen Abstand. Man lässt solche Texte dann tunlichst eine Weile liegen und macht was anderes.

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fdornhagen²
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10.04.2008, 16:37 / 1 x geändert
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verehrte augustine, aufgepiekt haben Sie gar nichts, lediglich mich netterweise auf einige Schwachstellen aufmerksam gemacht.
Erzaehl-Perspektive ist mir zu altbacken, ich bevorzuge das phaen. Konzept der Perspektivitaet.
Vielen Dank, f.

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Gretchen
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... altbackene Erzaehlperspektive hin, huebsch aufgeblasenes phaen. Konzept der Perspektivitaet her: der Punkt ist letzten Endes dann doch, ob einer knackig-saftig-schmackhaft schreiben kann, so dass man seine Worte schlingen moechte ... oder ob dat Geschriebene trotz moderner Perspektivitaetskonzepte sich wegen Altbackenheit nur in kleinen Haeppchen mühsam rezipieren laesst ...
nur mal so hinnotiert - Gretchen.

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augustine
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10.04.2008, 20:56 / 1 x geändert
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Hinweis für alle, die daran interessiert sein sollten:
Metzlers Lexikon Literatur, Stuttgart 2007, demnach kaum altbacken zu nennen, enthält das Stichwort 'Perspektivität' nicht. Es geht hier um das Wort als literarischen Terminus.
Und was ist oder soll sein: "phaen.":
Auswahl: phänologisch? phänomenal? phänotypisch? phänomenologisch? phänomenalistisch? so nach Duden, zugegeben, etwas älter: 2006; der schreibt das mit 'ä'; ist bei Ihnen der Buchstabe aus der Tastatur gesprungen, hupps und wech? zu schade, nu müssense immer 2x tippen.
a

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augustine
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14.03.2011, 22:02 / 1 x geändert
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Als ich eben nachsah, ob der Städter alles, wirklich alle seine Sachen rausgenommen hat (er hat, und ich finde es frech angesichts dessen, dass er so sachkundige Kommentare bekommen hat), fand ich dies -
es ist ja vergleichsweise harmlos, aber gewisse Parallelen zu einem eben noch aktuell gewesenen Vorgang der deutschen Politik finde ich doch.
augustine

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gregor libkowsky
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fddornhagen schreibt:
| Zitat: |
| verehrte augustine, aufgepiekt haben Sie gar nichts, lediglich mich netterweise auf einige Schwachstellen aufmerksam gemacht. |
Einige Schwachstellen? Verehrter fdornhagen, mit Verlaub, Ihr Text - nein, Ihre Übersetzung - ist eine Ansammlung von holprigen und zum Lachen animierenden Sprachbildern sowie ungelenken Satzkonstruktionen.
Augustine hat ja hier schon alles Wesentliche zum Text gesagt.
Wenn es nach mir ginge, belassen Sie es bei diesem Beitrag.
Ein letzter Gruß
Gregor Libkowsky
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augustine
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Dieser Dornhagen ist nach diesem kurzen Auftritt nicht wieder erschienen. Insofern hätte man's ja im Keller lassen können.
Nur das Guttenbergisieren, ehe es jenen Vorgang gab, das hatte er drauf - so dummdreist-freundlich wie der. DAS war mir aufgefallen.
augustine

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gregor libkowsky
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Oh, ja. Das Datum der eingebrachten Kommentare ist nicht ganz unerheblich. Habe ich gar nicht beachtet.
So kommt "Dornhagen" noch zu später Ehre.

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