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Gretchen
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18.03.2008, 00:42 / 4 x geändert
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Für Muttersprach' und Vaterland!
Oh süße deutsche Sprache, die mir durch die Venen
so heftig pulst wie heißes, wildes Liebessehnen*,
ohoh! Ich fühle herzblutglühend unbezwingbar ein Begehren,
ein dunkles, schweres Pochen - darf ich mich verwehren?
Nein! Ich schreib’s heraus. Mit liebetrunk’nen**, nie gewagten Worten
reiß’ ich sie auf, der Sprache mir bislang verschloss’ne Pforten
und dichte deutsch! Ich schreib’ mit starker, kühner, schillernd goetheanisch inspirierter Feder,
und ich gelobe - herzblutglühend! - dass mir jeder, wirklich und wahrhaftig jeder, jeder
schmähliche, Sprachverderbnis hauchend heuchlerisch sich nah’nde Anglizismus sehr zuwider sei!
Ich schaff den Worten Biotope, rette sie vor tumber Englischmacherei!
Ich - herzblutglühend meine teure Sprache schützend
und all-sô mir und allen, allen guten Menschen deutscher Zunge nützend!
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* für Liebessehnen happ ich eine Patenschaft übernommen
** liebetrunken ist noch frei
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Stimmen, die keiner gern hört; siehe auch:
. . . . . . . . . . . . -> Ein larmoyantes Ausgusssiebchen spricht
. . . . . . . . . . . . -> 1 armes Schwänzchen spricht
. . . . . . . . . . . . -> Der letzte Schrei: ist Emo
. . . . . . . . . . . . -> Ein armes Wort spricht
. . . . . . . . . . . . -> 1 lyrich klagt an
. . . . . . . . . . . . -> Die Liebeslisplerin

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kirmesbollo
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gretchen!
eine spottschrift, ja das ist dir gelungen. selbst wenn die polemik
so sehr ins kraut schießt, dass vater und mutter, die vor lauter
coffee to go, event management (and so on) ihre böse freude
daran haben dürften, wie die mit macadamia-flavoured-tschai-latte (XXL)
heranwachsenden, die hospitalistisch anglizismen vor sich hin brabbeln.
will sagen, dein pamphlet funktioniert fast zu gut.
ich sehne mich nicht gerade in die zeit der „poetischen hochkultur“
zurück, als sich noch mit puder gewaschen wurde, nehme aber doch
wohlwollend zur kenntnis, wenn jemand ganze drei sätze sprechen kann,
in denen keine anglizismen älteren menschen den zugang zur kommunikation
zur jugend unmöglich machen.
sollte ein pamphlet mehr als zwei fronten bilden, quasi ein geheimlevel enthalten?
ich weiß nicht...
trotzdem gefällt mir der text ausnehmend gut, weil er zeigt, dass sich da gefühl
für sprachmelodie versteckt. so unterschiedlich die strophen lang sind,
so geschmeidig liest man sich schmunzelnd durch den text.
bis dahin erstmal, gruß vom bollo

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Jolante
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13.09.2008, 19:36 / 4 x geändert
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Greta Pamphletika,
die Spottschrift ist dir gut gelungen, und ja, es ist viel dran an dem, was Bollo schreibt. In der Welt habe ich heute einen Artikel gefunden, für dessen Inhalt ich auch Sympathie habe.
http://www.welt.de/hamburg/article243563...ob-und-Sex.html
Es grüßt deutschundenglischfreundlich aber undenglisch
Jolante

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Gretchen²
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Heiala Meister Bollo und Jolifantina, danke euch für die Anmerkungen und will mal eine Antwort versuchen.
Also, das Teil ist in Zusammenhang mit diesem Faden entstanden. Die Idee solcher "Wortpatenschaften" fand ich sehr erheiternd und bekam Lust, selbst mal die deutsche Sprache ordentlich zum Glühen zu bringen und in herzblutheißem Stil die Wörters persiflatorisch springen zu lassen. Hab mir dazu noch überlegt gehabt, dass wir hier ja auch 10-oder-mehr-Euro-Patenschaften anbieten könnten für garantiert ungedenglischte Gedichte, um vielleicht den Admin serverkostenmäßig mal bisschen zu puffern oder so ...
Was die ganze Anglizismen-Diskussion angeht, hmm, da weiß ich nie so recht, wie ich mich dazu stellen soll. Ich selbst spreche zwar im wirklichen Leben ziemlich un-gedenglischt (glaub ich), hab keinen Hang und Drang dazu, es ist einfach nicht meine Art zu sprechen --- Coffee-to-go & Co inclusive Short Briefings, Last Minutes, Confirmation Mails, Aqua- und Wedding-Plan(n)ing nehme ich schulterzuckend zur Kenntnis und vergesse sie dann sofort wieder, bin da leidenschaftslos und denke, dass sie eben ein Phänomen der Jetzt-Zeit sind und eigentlich auf nicht viel anderes hinweisen als darauf, dass Sprache sich immerzu verändert (wenn man diesen Grimm anklickt und da bisschen drin rumzappt, merkt man das).
Vielleicht könnt ich es noch so auf den Punkt bringen: An den hospitalistisch Anglizismen vor sich hin brabbelnden Kiddies beunruhigt mich vor allem und nachhaltig das Hospitalistische, die Anglizismen als solche bin ich wegzustecken bereit.
So, und gezz wünsch ich noch ne gute Nacht (auf deutsch) und hau mich selber auch mal in die Knacke.
. . . . . . . Euer glühend kariertes Gretchen -
. . . . . . . . . . . . . . . . . .  -> zum Panzerkoitus (klicksn!)
Ach, ein PS noch:
Was haltet ihr davon, in Texten/Gedichten usw. Anglizismen zu verwenden, als Stilmittel?

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rollerball
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Hey Gretchen!
Für deinen Text empfinde ich wieder mal glühende Begeisterung - wenn Sprachkritik so humorvoll und virtuos daherkommt, ist sie sehr bekömmlich. Als Anglist hab ich ja prinzipiell nichts gegen die Verwendung englischer Idiome, aber nur dort, wo sie genauer, stilistisch angemessener und weniger umständlich als deutsche Wörter das beschreiben was sie beschreiben sollen, und wenn die Sprecher/Schreiber wirklich ganz genau wissen, was die englischen Wörter bedeuten und in welchem Kontext und auf welche Weise man sie verwenden darf. Alles andere ist verbale Hochstapelei von Schmalspurdenkern!

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Gretchen²
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hi rollerball,
1000 thx für deinen comment. echt nice von dir, das mit der glühenden begeisterung, so was macht mich natürlich happy und gibt mir nen cooles und stronges gefühl. und was du über die verwendung von englischen idiomen sagst, find ich überhaupt nicht strange, ne, im gegenteil, das rockt direkt rein bei mir, da strike ich auch nicht back, sondern check ersma mit.
greetz und keep your tongue at work,
the Gretchen.

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schaf
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holla gretchen,
dass dein pamphlet durch und durch gelungen ist, muss ich wohl nicht noch mal erwähnen, was?
deine frage zur verwendung englischer idiome hat mich beschäftigt. auch ich kann rollerball nur zustimmen, doch frage ich mich, ob das auch so praktiziert wird? außer in texten der satirischen sorte bin ich bisher kaum auf anglizismen gestoßen. nur einmal zeigte mir ein 14jähriger hopper ein gedicht (über sein schlechtes gewissen, wenn er sich ritzt...) in dem er diese verwendete. abgesehen davon, dass es dem "gedicht" so an fast allem, was ein solches auszeichnet, mangelte, hatte ich nicht das gefühl, dass er die englischen absichtlich anstatt deutscher worte benutzte, weil die erstere vielleicht eine erweiterte bedeutungsebene hätten. als ich ihn darauf ansprach begegnete ich unverständnis. er brauchte erschreckend lange, um deutsche entsprechungen zu finden. normale deutsche worte! definitiv ist er wohl nicht das beispiel, das wir suchen, doch äußert sich in ihm wohl doch etwas von der tendenz die sprachlich schon zu spüren ist.
ich weiß nicht, ob mir diese entwicklung gefallen kann. im film "code 46" spricht die gesellschaft der gar nicht so fernen zukunft hauptsächlich englisch mit babelschen einstreuungen aus allerlei anderen sprachen, wie chinesisch, französisch, spanisch, etc. das erscheint mir nicht unvorstellbar, wenn auch zur zeit kaum lyrisch umsetzbar.
gruß, gruß!
schaf

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Younis der Poet
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dear Gretchen,
your words comming through the wounds of the german language in our time .
your language is your identification card and you have the right to be identified in the right and correct way .
that is important to keep the history of language and culture .
it is important to stop what so called denglish speaking .
and for that you need the power of the nation.
i know well that i do not speach german correctly.
but i wish to do so .Becouse it is one of the most powerfull languages on earth .
regards
younis

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