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augustine
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14.03.2008, 19:29 / 4 x geändert
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Will ja keine Spielverderberin sein: hier also:
Vielleicht vorausschicken: ich bin gar kein Fan von (Martin) Walser. Aber dieser Roman, handelnd von einem alten Mann (Goethe), rezensiert von einem alten Mann (Joachim Kaiser, SZ) und eben geschrieben von einem alten Mann (Martin Walser) - über die Liebe des 73-jährigen Geheimrats von Goethe zu der noch nicht einmal ganz 19-jährigen Ulrike von Levetzow in Marienbad und Karlsbad 1823, dieser Roman hätte ja einem anderen auch ganz schauerlich missglücken können. Aber dem Walser ist hier ein Erzählen in einer weisen Einfachheit gelungen, die mich tief berührt hat.
Dabei ist wohl alles, was überliefert ist, berücksichtigt, also auch dies (als "Letzte Nachricht"), dass die 96-jährige (! gestorben im Jahr 1900) Goethes Briefe verbrennen ließ; zuvor, noch 1823 (das ist wohl erfunden), lässt der Romancier den noch immer liebeskranken Goethe durch seinen Diener alle Dinge verbrennen, die er in den beiden böhmischen Bädern an Kleidung trug und sonst benutzte...-
Wie kann dies Thema nicht misslingen? Es hat sicher viele Gründe, unter ihnen aber sicher den, dass die junge Frau (hätte man damals ja nicht so gesagt) dem alten Mann in der Empfindung und intellektuell gewachsen ist. Es sind meisterhafte Dialoge zu lesen!
Man weiß ja, dass Goethe in der Tat ganz ernsthaft und durch seinen Herzog um ihre Hand hat anhalten lassen. Wie hätte das gehen sollen?
Goethe litt - und schrieb die Marienbader Elegie
Und Walser, der sich Goethes Briefe ja ausdenken musste, schrieb an einem Briefanfang, was ich abschreibe, weil ich es so schön finde: ein erotischer Austausch, bei dem der Autor am Schluss auch noch den Anhauch, da sei ein wenig Kitsch, den ein Leser empfinden könnte, souverän abfängt.
Ja, eigentlich sollte es in unserer Rubrik "Erotik" stehen. Aber dafür müssen wir ja selber schreiben.
"Als wir Du sagen durften [einmal vier Stunden lang allein], habe ich Dir auf der Waldwiese die Lupine gepflückt, die auf uns gewartet hat. Unter blauen und roten Lupinen habe ich diese eine gepflückt, die rote. Das düster glühende Lupinenrot liebe ich. Bevor ich sie Dir habe geben können, bist Du in die Wiese hinausgegangen. Du trittst, wie Du durchs Gras gehst, nichts nieder. Ich habe Dir zugeschaut, wie Du Dich gebückt hast, wie schön Du warst, als Du Dich gebückt und Deine Lieblingsblumen gepflückt hast. Und bist zurückgekommen mit dem Arnikastrauß und hast den dichten gelben Strauß geöffnet für meine Lupine. Die ließ ihr Düsterrot in Deinem Schwall Gelb untergehen. Wir haben dazu gelacht. Nicht laut. Aber Gesichter von Lachenden haben wir gehabt, als wir dann zurückmarschierten in die Welt, die Karlsbad heißt."
augustine
Martin Walser. Ein liebender Mann, Reinbek 2008, 19,90 €
Hier im Editor erscheint die URL NICHT; und ich suche jetzt den Fehler nicht weiter.
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zuppanova
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ha, augustine, hab die rezensionen zu diesem Walser-wurf auch verfolgt, und bin neugierig geworden auf das buch (hab noch nie einen Walser gelesen), fürchte aber, es wird/muss wohl bei der neugierde bleiben ... danke für deinen hinweis hier
und lg, zuppa.
(Ulrike von Levetzow starb unvermählt, wenn ich nicht irre ...)
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(psst, psst, Jolante, du bist dran!)

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Jolante
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Wie recht du hast mit deiner Empfehlung, augustine! Mit Bedauern habe ich das Buch aus der Hand gelegt, ich hätte noch stundenlang weiterlesen mögen. Von allen 11 Walsern, die ich im Laufe der Jahre (besser Jahrzehnte) gelesen habe, hat mir dieser am besten gefallen. Thema und Sprache bilden einen Klangraum, der zum Schwelgen einlädt. Diesen Walser, liebe zuppa, solltest du dir gönnen, auch wenn die Zeit knapp ist. Ich wage mal zu behaupten, er würde dir gefallen!
Liebe Grüße
Jolante

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augustine²
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Na, der Walser: die FAZ puscht ihn gerade (falls er das noch nötig hätte),
und man kann also hören und lesen:
ein Interview mit ihm
hierher gestellt von augustine

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Jolante
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13.04.2008, 11:46 / 1 x geändert
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Das finde ich..., ja, ich finde es geradezu verdienstvoll, liebe augustine, dass du dieses Interview gefunden und hier eingestellt hast. Der alte, reife, fast gütige Walser ist mir ebenso lieb wie der junge, gesellschaftskritische W., der "Ehen in Philippsburg" und "Ein fliehendes Pferd" geschrieben hat. Die literarischen Produkte des "mittelalterlichen" Walser haben mich nicht immer angesprochen, und manchmal habe ich sie nach dem Lesen enttäuscht aus der Hand gelegt. Aber ich war immer wieder neugierig auf Neues von ihm. Sein jüngstes Buch ist für mich bisher sein bestes. Pardon, ich sehe gerade an obigem Beitrag, dass ich mich wiederhole.
Danke, augustine, für den Service,
Jolante

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