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Vladimir
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14.03.2008, 09:26 / 1 x geändert
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Heiße Sonnen trieben in den weißen
Anzug Nackenfeuchte schräg durchs blasse
Hallenfenster. "Halt! - Allez!" im Gleißen
meiner Siege und im Fallenlassen
des geschlagenen Floretts wurdst du
ein Moos im Hintergrund - und kühltest schon,
in Abendluft gelöst wie Wald, wenn zu
den freigefochtnen Gliedern sich der Ton
der Straßenbahnen mischte. Langsam treten:
Weit greifen die Platanen. Scheine flitzen
über Gleise. Gäste in der späten
Jessestraße plaudern. Klingelkitzeln:
in deines Wartens fahlern Abend schritt
ich; bald durch dich gedämpft; wir: wie zu dritt.

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Gretchen
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Hei, Vladimir, was ist ein Moß?
Hab gegoogelt und nur sowas gefunden.
Ansonsten: eine(r?), also das lyrische Du, ist beim Fechten in der Sporthalle, Sonne fällt schräg durchs Fenster, schwitzen, siegen, fallenlassen (das Florett) -> der/die/das Gegner (= lyrisches Ich?) hat gewonnen, dann kommt der/die/das ominöse Moß, und dann ein mittlerer Teil, der mir nicht besonders gut gefällt, sprachlich-textlich:
und kühltest schon,
in Abendluft gelöst wie Wald, wenn zu
den freigefochtnen Gliedern sich der Ton
der Straßenbahnen mischte. Langsam treten:
Weit greifen die Platanen. Scheine flitzen
über Gleise.
Also, das soll wohl heißen, die beiden (Lyrich und Lyrdu) haben mittlerweile ihr Sportstündchen beendet, sind draußen aufm Heimweg (getrennt oder zusammen?), gehen langsam unter Platanen, während eine Straßenbahn "tönend" vorbeirumpelt. Die Glieder (die vom Lyrdu?) sind offenbar (angenehm?) freigefochten (das gefällt mir als Wort, ist mehr- bis vielsagend). Ungeschickt find ich hier den Einschub in Abendluft gelöst wie Wald: naja, gut, als Vergleich oder Bild an sich vielleicht schon schön (wobei mir persönlich ein in Abendluft gelöster Wald eigentlich auch suspekt ist, wenn ich mal ganz ehrlich bin), aber hier so total unvermittelt (aus der Abendluft gegriffen), ein aufs Hosenbein (oder aufs Gedicht) gepatchter Flicken. Unglücklich bis missglückt find ich, dass zu den freigefochtnen Gliedern ein "Ton" sich mischt (da sind Bilder ineinandergerutscht, die sich gegenseitig nicht gut tun), und dann ist das auch noch der "Ton" einer Straßenbahn. Scheine (Lichtschein, Lichter, Lichtblitze?) flitzen über Gleise - nee, scheint mir auch kein so wirklich guter Griff, wegen dieses Wortes "Scheine" nämlich, nein, ich glaub, das geht so nicht, das zieht ins unfreiwillig Lächerliche.
Der Rest ist dann ein kurz anskizziertes Szenario (in der Jessestraße), Pendant zum im ersten Teil entworfenen Fechtstundenambiente, womit sich drei "Aufenthaltsorte für Lyrich und Lyrdu" im Gedicht ergeben (Sporthalle, Straße, Wohnung), also eine Struktur erkennbar wird, eine Bewegung auch. Das ist gut, da kann ich mit. Das Klingelkitzeln find ich eine sehr hübsche Erfindung, das fahlern (statt: fahler-en) hingegen aufgrund erhöhter Artifizialitätsdrehzahl wiederum nicht so. Und zum Schluss frage ich mich: warum. Warum wie zu dritt? Da werd ich nicht schlau draus. Muss das da wirklich stehen? Kann aber sein, ich happ alles nicht verstanden.
Erste gemischte Textimpressionen mal.
Grete Karo.

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Vladimir²
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16.03.2008, 18:03 / 1 x geändert
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Natürlich ist Moos gemeint - man möge mir den Fehler verzeihen...
Ein paar Fehler sind in deiner "Analyse" - ich weise mal auf die Stellen, die sie bei genauerem Lesen berichtigt hätten:
"In deines Wartens fahlern Abend schritt ich" zusammen mit dem Klingelkitzeln --> das lyr. Du tritt erst da in leibliche Erscheinung.
"Langsam treten:" widerlegt dein "sie gehen langsam".
Mehr seh ich jetzt nicht.
Zu dem andern wüsst ich nichts weiter zu sagen.
Eins noch: Woher diese Gewissheiten "das geht so nicht" u.ä.? Es gibt doch kein richtig und falsch, keine "Realität". Wer sagt dir, dass es mir nicht genau um die Mischung von den freigefochtnen Gliedern und dem Geräusch der Straßenbahnen ankommt? Oder um den Wald? Oder um die Scheine? Du kannst die Form eines Gedichtes kritisieren, sagen, es ist nicht konsequent durchgeführt etc. - aber an der Beschreibung eines Eindrucks gibt es meiner Ansicht nach nichts zu rütteln - da bin der einzige, der das kritisieren kann, ich, weil ja nur ich diesen Eindruck als Maßstab der Beschreibung ansetzen kann!

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Gretchen
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| Zitat: |
| "Langsam treten:" widerlegt dein "sie gehen langsam". |
Wieso? Den Zusammenhang verstehe ich nicht.
Nee, richtig oder falsch gibt’s nicht, aber es gibt so was wie "Wirkung" (auf Leser/innen). Und die Wirkung Deines Textes auf mich, Leserin Gretchen, ist nun so, dass ich an manchen Stellen zu mir selber sag: "Dat geht nicht". Oder auch: "Menno, der zwirbelt sich abba einen ab da, der Autor, mit den geräuschverschlung’nen, freigefocht’nen Gliedern, und mit der ganzen
ErstschwitzenbeimFechtendannkühlenwieWaldinderAbendluft-Problematik".
Und dann sag ich vielleicht sogar: "Herre auch, watt nen Schwulst".
Anders formuliert: Worum es Dir als Autor geht, um welche Mischungen von Bildbereichen usw., das ist die eine Seite der Medaille (oder des Textes) und natürlich ganz und gar Deine Sache. Die andere Seite ist, wie Dein Text auf eine Leserin wirkt, wie sie ihn wahrnimmt, interpretiert, also, was da ankommt usw. --- und dieser Prozess ist zunächst einmal von Deinen Intentionen beim Schreiben total unberührt, unbeleckt, ja, kann Dir passieren, ein Leser schert sich geradezu einen Dreck darum, was Du als Autor ausdrücken wolltest und worum es Dir ging. Dass Du Deine Texte erklären kannst, glaube ich Dir sofort, und dass Du so oder so formulierst, weil Du da oder da drauf hinauswillst, das ist mir auch klar. Andererseits hilft es mir als Leserin letzlich nicht weiter, wenn Dein Text erst zu mir spricht, nachdem Du mir erklärt hast, wie ich ihn aufzunehmen habe. Entweder es kommt also etwas an oder nicht, und bei mir kam hier eben nicht so sehr viel mehr an als ein Eindruck kunstvoll erzeugter bemühter Kompliziertheit bei wenig bissfester Substanz.
Kann ja sein, andere erleben den Text anders.
Und ich lass mich auch gern belehren von wem, der's besser weiß und mir das überzeugend verargumentieren kann.
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