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Elise
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14.03.2008, 08:33 / 2 x geändert
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Durs Grünbein: Gedichte. Bücher I-III. Frankfurt 2006, Suhrkamp.
Das war viele Wochen lang das einzige Buch, das ich überhaupt aufschlug.
Man hatte es mir geschenkt, zu Weihnachten, und weil es nun eben da ist, las/lese ich manchmal darin: Gedichte. Grauzone morgens. Schädelbasislektion. Falten und Fallen. Manches überlese ich, weil es mir nicht gefällt, weil es mir nichts zu sagen hat. Manches markiere ich mir, indem ich Zettel zwischen die Seiten stecke, damit ich bestimmte Texte wiederfinde zum oft-und-öfter-Lesen.
Beispiel:
Verzagt. - Im Schließfach eines Fernbahnhofs in B.
Fand sich die Leiche eines neugebornen Kindes,
Kaum eine Woche alt. Die Nabelwunde war noch frisch.
Noch war der Name auf der Haut nicht angetrocknet,
Kaum sichtbar das Geschlecht, da lag das Bündel
Schon festverschnürt zur Reise
In einen andern Automaten-Limbo, in ein andres Licht.
(S. 137, aus 'Schädelbasislektion')
oder dieses hier:
BELEBTER BACH
mit alten Autoreifen, Glas,
Sperrmüll und der Attrappe
eines kleinen Wehrs
aus Zellophan und Schrott,
in dem inmitten Schaums
auf einem Ölfilm ausgesetzt
ein grüner Badefisch sich
zwischen Zweigen schaukelnd
leicht um seine Achse dreht.
Kommt
Wellen klaren Wassers, kommt.
(S. 71, aus 'Grauzone morgens')
Sollte jemand Lust verspüren, noch mehr ÜBER Grünbein lesen zu wollen: Hier ein Link.
Mit Gruß,
Elise

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Jolante
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Liebe Elis,
dir ein herzliches Dankeschön für die Anregung, Gedichte von Durs Grünbein zu lesen. G. war mir bisher nur als Dichtername ein Begriff, gelesen hatte ich noch nichts von ihm. Die beiden von dir vorgestellten Gedichte haben mich unmittelbar angesprochen, so dass ich auch deinem link folgte. Danach las ich in der "Welt" vom 14. März einen Artikel über sein neues Werk "Strophen für übermorgen". Auszugsweise hier ein paar Zeilen:
"Verse Durs Grünbeins lesen, heißt einem Körpertier mit rationalem Kalkül in seine sinnlichen Erfahrungen zu folgen. Wir erkennen Mächte und Imperien am Klang von Knochen und Stein und dem Rattern eines Maschinengewehrs. Das auf mehr als 200 Seiten in sieben motivisch gruppierten Kapiteln durch Räume und Zeiten reisende Ich hat den Chor des Aischylos, die "Klagen der Frauen Thebens" ebenso im Ohr wie das Knacken eines gefrorenen Ahornblatts unterm Schuh oder eine aggressive Alltagspöbelei auf der Straße. - Mühelos geht ein Liebesgeflüster aus dem alten Rom in dissonantes Alltagsgequake über. Nicht in erhabenen Gefilden wandelt das lyr.Ich, sondern ganz in der profanen Gegenwart, wo ein Reifenquietschen signalisiert, dass der Flaneur noch lebt. - Was sind wir? Woher kommen wir, und wohin gehen wir? Was ist Leben, Liebe, Einsamkeit, und was ist Zeit? Kaum ein anderer zeitgenössischer Poet der mittleren Generation versteht es so wie der 1962 in Dresden geborene Durs Grünbein, sein Nachdenken über Weltzusammenhänge durch ein Ich darzustellen, das hört, sieht, fühlt, riecht und schmeckt. Diese Gedichte riechen nach Benzin und Pheromonen. Sie schmecken nach Fischmarkt, Maschinenöl und Fäulnis. Sie malen Bilder vom "Museum Zeit", vom "Schlamm der Geschichte" und vom "Paradies der Mäuse".
Ich bin gespannt auf die Lektüre, und wenn es nicht nur bei der Vorfreude bleibt sondern zu einer echten Leselust kommt, werde ich mich hier noch mal zu Wort melden.
Liebe Grüße
Jolante

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