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augustine
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30.04.2006, 19:18 / 3 x geändert
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Den Namen weiß ich nicht. Er nicht den meinen.
Er sieht, der kluge Alte, kaum im Zug, mich weinen.
Versuch zu lesen. Das misslingt. Ich kann es nicht.
Ganz aufmerksam und sorgend fragt er: "Ein Gedicht?"
"Nein, keines. Leben. Oder keins. Zu Hause."
Noch eh's erboten, sprech' ich schon. "Der, der - Banause."
"Vertrautestes dem Fremden anvertraut, mag gut tun.
Es bleibt bewahrt bei ihm, da kann es ruhn."
"Nur Rederei. Nie ein Gespräch. Statt Liebe -
Begierde, der ich feige diene. Gewalt.
Ich will das nicht, dies, dies Verkümmern, dies - so kalt."
"War's ehedem nur Geld, Bequemlichkeit und Triebe?"
"Ja. Nein. Der Garten war es, seiner. Gestalt
Der Sehnsucht schien er mir." – "Doch geh' nun fort, mein Kind, und: bald."

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ear
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augustine,Du hast die Schwierigkeit , ein Gespraech in Sonett-Form zu bringen, sehr gut geloest. Ist es der Fremde,"der kluge Alte" der sie im letzten Satz beguetigend"mein Kind" nennt und dessen letztes Wort "bald", Vergessen oder Hoffnung auf eine wuerdigere, bessere Verbindung sein koennte? Oder kommt hier der andere ausbeutende Fremde zu Wort, dessen "Garten","Gestalt der Sehnsucht" das"Kind" in die Ferne schickt?Gruss, ear.

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augustine²
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Ja, ear, es gibt zwei Fremde. Der Garten hat das "Kind" erst überwältigt, einfach als Garten, weil er eine "Gestalt der Sehnsucht" war. Dem nicht widerstehen zu können, machte die Erwachsene zum "KInd". Der fremde Fremde hat erkannt, dass es sich von dem bekannten Fremden zurückziehen musste, um, gewissermaßen, wieder erwachsen zu werden. - Der Garten als das einhegte Naturschöne, das man selbst gestalten, in das man sich auch zurückziehen darf, bleibt eine Sehnsuchtsgestalt, nicht dieser aber, und der hat auch nicht das "Kind" in die Ferne geschickt. Liebe Grüße, a.

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Gerd
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Den wahren Namen eines Menschen wissen heißt ihn zu erkennen. Diese kennen sich nur äußerlich, evtl. auch schon lange, doch erkannt haben sie sich nie. Viel mag auch Gewohnheit sein - was "verbindet".
Der Garten ist mir der Seele Hort. Gestaltet zeigt dieser das intime Abbild des inneren Selbst. Dort war Kind sein - unbeschwert. Wie in Kindern Gedanken gesäht werden, werden dies Blumen in den Garten. Doch wie diese blühen ist erst zu erkennen, wenn sie gewachsen sind. Auf Dauer ist jedoch kein Rückzug in den Garten möglich. Wie es kaum gelingen kann, auf ewig Kind in seiner Unbeschwertheit zu bleiben. In der Folge Aufbruch in ein anderes Leben.
Viel steckt für mich noch in diesen Zeilen.
Herzliche Grüße
Gerd

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augustine²
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14.08.2006, 05:46 / 1 x geändert
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Ich bin mal,schlaflos, meine 'Werke' durchgegangen. Für mich stand hier der Garten nicht an sich zur Frage, sondern nur als Versuch der Erklärung, in die einem Fremden erzählte Lebenskonstellation gegangen zu sein. - Thema war eigentlich diese sonderbare Situation, wie sie im Nichtmehr und Nochnichtwieder einer Reise sich manchmal ergeben kann: gerade doch und wegen der Fremdheit, die bleiben wird und schützt, Vertrautestes mitzuteilen wie sonst nur bewährten Freunden.
Liebe Grüße, vor allem @Gerd. augustine

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arisia (Gast)
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15.08.2006, 12:16 / 2 x geändert
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Hi, augustine,
ja, es lohnt sich auf jeden Fall auch dieses Sonett nochmal auf die Form durchzugehen. Ich merke ja gerade selbst, wie schwer das ist, da ich mit meinem Supermarkt auch gerade gar nicht weiterkomme.
Da der "Der Fremde" überwiegend auf Dialog aufbaut, fände ich es sehr reizvoll, das ganze in "Alexandrinern" aufzubauen, die Zäsur könnte hilfreich sein zum Gedanken ordnen, und der Dialog würde das elegische des Alexandriners abmildern.
Eine Mischung würde auch gehen, entweder die 4-Zeiler in Alexandrinern, oder die 3-Zeiler, das andere als "italienisches" Sonett. Mal ausprobieren, wie es am besten mit Intension und schon vorgegebenem Text passt. Ich könnte mir die 3-Zeiler am geeignetsten für die Alexandriner vorstellen. Du hast dann für die Reflexion mehr Text zur Verfügung.
So, trotz drückendem Text, frohes Schaffen, vielleicht ergibt sich ja noch was Positives an Aufarbeitung dabei.
arisia

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Gerd
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Liebe augustine,
gerne möchte ich Dir noch zu der sonderbaren Situation antworten. Ich kenne solche im Zug, wenn sich Menschen unerwartet einem Fremden öffnen, teils paradox, doch auch wieder sehr verständlich. Die Preisgabe und Öffnung bleibt versiegelt, erreicht keinen größeren Raum und dennoch ist das Leid geteilt. Die Linderung, welche die wunden Stellen dadurch erfahren können, kann größer sein, als wenn diese einem Tagebuch anvertraut oder einem schwimmenden Lampion überantwortet werden.
Die Ansprache als Kind durch den alten Mann zeigt Einfühlsamkeit, Intimität des Austauschs und die Annahme dieses fremden Menschen und seiner Sorge. Ein förmlich liebevoller Vater oder Großvater, der real womöglich nicht oder nicht mehr vorhanden ist - fehlt.
Herzliche Grüße
Gerd

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