auf der Suche ... (nachts meine worte) · Gretchen · ·


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      Gretchen



auf der Suche ... (nachts meine worte)

   29.02.2008, 00:58 / 1 x geändert



nachts meine worte

nachts bin ich reich und verschwiegen liegen die worte
bei mir (meine einsamkeit wärmen sie) winzige körper
sie schmiegen sich hüllen mich nachts (das ist mond
das ist licht oder klang auf meiner haut) ihre reibenden
zungen (die kommen von außen nach innen mir über die
lippen) bewandern mich dringen mir ungesagt ein (alle
mund winkel nass) in der höhle verstecken sie stecken
sich tief in den abgrund den schlund auf dem kehligen
grund ist das reiben das atmen wird still (ist die stille)
nachts bin ich reich bis der tag kommt (gestillt) meine
worte laufen davon (wenn es hell wird) die zärtlichen
worte verlassen mich die verwandeln sich in der küche
am morgen (für dich) hab ich butter und honig und weiß
brot

 

      augustine



RE: auf der Suche ...

   02.03.2008, 18:53 / 1 x geändert



Hallo, mondlicht-, nacht-tag-, einsam-zärtliches Gretchen!
Es gibt, glaube ich, einige Lesarten zu deinem Text.
Meine ist:
Es geht um Inspiration: nachts kommen die Worte und machen dich reich (wir haben ja alle schon teilhaben dürfen daran); sie sind verschwiegen und ungesagt (erstmal), aber sie schmiegen sich zärtlich an und berühren dich ein-dringlich.
Dann: das Liebesspiel, das ja unüberlesbar und schön auch da ist, ist ein Vergleich, der schon beginnt mit dem "verschwiegen liegen" und der 'Inkarnation' der Worte ("winzige körper"); aber es ist nicht das Thema.
Soviel heute von augustine.

 

      Gretchen²



RE: auf der Suche ...

   04.03.2008, 00:54



Hei augustine,
will mal gar nicht mehr sagen als nur:
danke für Dein Lesen, Deine Lesart.
Gretchen Ohnemond.

 

      rollerball



RE: auf der Suche ...

   04.03.2008, 19:18



Ja, liebes mondloses Gretchen, das ist dir wieder mal schön gelungen! Ich kann das sehr gut nachvollziehen, hatte ja selbst schon immer ein fast erotisches Verhältnis zu Worten, wenn auch nicht in meinen nächtlichen Träumen. Aber den Seinen gibt´s der Herr im Schlafe ...

 

      jottel



RE: auf der Suche ...

   07.03.2008, 09:17 / 4 x geändert



gretchen,

am ende erstarrt das ich, am morgen beim gedanken an oder anblick von butter und honig (konsequenz: ich als grundnahrungsmittel oder zubereiter/in desselben), und obwohl butter und honig für erotische bilder oder zwecke gebraucht werden (können) in literatur etc., haben sie nicht die qualität des in der nacht durch die worte erlebten. sie sind sehr gewöhnlich. oder: offensichtlich. für ein du wie gemacht, zubereitet. die worte aber sind moleküle, die eingeatmet, ausgehaucht werden. auch hier sehr erotisches, das doch nicht vom du ausgeht, auch keine äußerliche inspiration darstellt. das verlangen nach etwas bestimmtem (das liebesspiel liegt meiner meinung nach weniger im fokus, ist aber nicht unbedeutend, da seine sprache verwendet wird. vielleicht ein ausbrechen aus dem, was das ich am morgen erwarten darf) bleibt aber ungesagt, es ist verschwiegen, es versteckt sich. dass das ich irgendwann auch gestillt ist, in ordnung, aber dieses gestillt sein ist nicht von dauer, ein einwurf mitten ins gedicht, wie zur seite gesprochen, der dem ende nicht standhalten kann.

gruß. jottel.

 

      augustine



RE: auf der Suche ...

   07.03.2008, 18:45 / 1 x geändert



falls es nötig ist [ist es wohl: "nostalgisch" ist auch immer etwas melancholisch]: entschuldige, dass ich deinen kommentar hierher kopiert habe, um ihn (partiell) zu verhackstücken:

"am ende erstarrt das ich, am morgen beim gedanken an oder anblick von butter und honig" [:]
das ich ich erstarrt nicht, sondern es ist fähig, aus dem Nacht- und/oder Traum-/Wunscherleben in den Alltag überzugehen, ausgependelt, maßvoll - diesen Schluss finde ich geradezu genial!

"sehr erotisches, das doch nicht vom du ausgeht, auch keine äußerliche inspiration darstellt" [:]
aber gewiss DOCH; die Wörter dringen "von außen nach innen" ein; die Wörter sind nichts, dessen man so einfach habhaft werden könnte, aber irgendwie, nicht einmal bewusst vielleicht, muss man bereit sein; und auch 'Liebe machen' kann man nicht MACHEN -man ist bereit oder verlockbar oder auch nicht

damit höre ich doch schon wieder auf; es folgt, scheint mir, nun mit vielen worten immer dasselbe.
nichts für ungut! augustine

 

      zuppanova



RE: auf der Suche ...

   09.03.2008, 00:20



der text, mein ich, baut ganz auf oppositionen, explizit beschriebene
und unausgesprochen immanente (schön konsequent, btw.):

nacht <-> tag
worte (sprechen, sagen) <-> verschweigen
lyr. ich <-> lyr. du
einsamkeit <-> wärme(n)
körperlos (worte) <-> körper
haut (außen) <-> mund(höhle, innen)
reich <-> ???

was wäre die opposition zu 'reich', das ja zur linken
spalte, zur nachtseite zählt? arm? reduziert?
oder: gewöhnlich?

bitte auch hier bezgl. anmerkungsverkürztheit um den nachtnachsichtsbonus.
zuppa.

 

      jottel



RE: auf der Suche ...

   09.03.2008, 12:07



augustine,

für mich wird die erstarrung sehr deutlich. es ist kein auspendeln. es wird ein zweites mal nach zwei dritteln mit "nachts bin ich reich" angesetzt, aber hier funktioniert das ganze nicht mehr so wie zuvor (was mich übrigens annehmen lässt, dass es sich hierbei auch um zwei verschiedene lyrische ichs handeln könnte, aber zumindest um zwei verschiedene stimmen desselben ichs, sodass das '(für dich)' auch an die erste stimme, an das erste lyrische ich gerichtet wäre, nicht an einen anderen, mit dem die nacht verbracht worden ist). dieses nicht funktioieren wird deutlich durch die wortwahl am ende und durch das 'abbrechen' im letzten vers nach einem wort. vielleicht dem falschen.

gruß. jottel.

 

      Gretchen²



RE: auf der Suche ...

   19.03.2008, 08:16



hei-ja, auf der suche nach worten …

erst mal danke allen für lese- und schreibmühe. so viel kann ich gar nicht sagen dazu, stimmt schon alles, was ihr schreibt, jede/r liest auf seine art richtig. was ich wollte? naja, ich wollte kontrast - den kontrast zwischen reichtum bei nacht, beim lieben, beim phantasiereisen, beim staunen, beim wortfinden - und auf der anderen seite die armut, gewöhnlichkeit, alltäglichkeit, in die der tag das lyrich zieht. wobei ich diese tagesrealität nicht abwerten wollte, nur eben beides gegeneinanderstellen, die sehnsucht gegen den alltag. mit 'butter-honig-brot' wollt ich auch vermitteln, dass das reale, gewöhnliche durchaus seine qualitäten haben kann, auch eine solide nahrhaftigkeit. andererseits: das gestillt-werden, das gibt es immer nur sekundenkurz ...

ach ja, das:
"... dass es sich hierbei auch um zwei verschiedene lyrische ichs handeln könnte, aber zumindest um zwei verschiedene stimmen desselben ichs ..."
ist ein total interessanter gedanke. die idee, so dranzugehen (= zwei stimmen eines lyrich) find ich 'bestechend' ...

mehr fällt mir nicht ein.

Gretchendank und Gretchengrüße.

@ jottel: meinst du, du könntest ... doch noch irgendwann ... aufnehmen ...???




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