Jelinek: Totenauberg · yolo · ·


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      yolo



Jelinek: Totenauberg

   08.01.2008, 00:43



Hat jemand dieses Stueck schon gelesen und verstanden?! Ich habe gerade den ersten Teil 'Im Gruenen' gelesen und, obwohl ich die Woerter verstanden habe, habe ich den Sinn nicht mitgekriegt. Was will Jelinek den Zuschauern sagen?

Irgendeine Ideen/Interpretationen waeren mir sehr nuetzlich!

 

      augustine



RE: Jelinek: Totenauberg

   08.01.2008, 01:03



Sowas kriegt man eigentlich selber raus, wenn man über E.J. was rauskriegen muss. Gleich der erste Beitrag bei google weist dich auf Hannah Arendt und Heidegger, ihre Liebesgeschichte, die Arendts erzwungene Flucht und Heideggers nicht erzwungene zeitweise Führer-Gefolgschaft überdauert hat.
Lies, kann ich noch sagen, Todtnauberg von Celan (H. hatte da im Schwarzwald seine Hütte). Geht nicht ohne Kommentar.
Lies alle Briefwechsel von Hannah Arendt, die du kriegen kannst. augustine

 

      zuppanova



RE: Jelinek: Totenauberg

   08.01.2008, 10:32



augustine hat dir ja schon eine gute Spur gelegt, da kannst du sicher selbst einiges ergoogeln.

Ich schreibe kurz noch auf, was mir spontan zu J. einfällt, so hast du mehr Stichworte, von denen du bei deiner weiteren Suche ausgehen kannst.

In ihren Texten beschimpft Jelinek bevorzugt die konservativen, katholischen, antiintellektuellen und faschistoiden Stimmungen in Österreich, wobei sie teilweise, so auch in Totenauberg, große historische Linien mit der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung verknüpft. Dem Stück liegt, so weit ich weiß, eine Collage von Texten von Martin Heidegger und Hannah Arendt zugrunde. Jelinek kritisiert mit sentimentalen Wörtern wie 'Natur', 'Familie', 'Heimat' usw. die nationalsozialistische Vergangenheit und auch die von ökonomischen und touristischen Interessen beherrschten, eintönig gefärbten faschistoiden Züge im gegenwärtigen Österreich.

Jelineks Texte (auch die Stücke) sind undramatisch. Sie arbeitet stark intertextuell, nicht nur in der Prosa, sondern auch auf/für die Bühne. Die Monologe in ihren Stücken sind, genauer betrachtet, gar keine echten Monologe, sondern ein monologisierter Sprachfluss, in welchem viele zitierte Stimmen miteinander verschlungen und ineinander vermischt werden. Jede Stimme tritt einmal an die Oberfläche, versinkt aber gleich wieder in die Tiefe und tritt später dann plötzlich wieder herauf. Insofern fordern ihre Stücke nicht nur die konservativen Politiker, sondern auch die Regisseure heraus. Und die Leser :)

Über ihre Theaterstücke, über das traditionelle Theater sagt J. selbst sinngemäss etwa Folgendes:
Ich will nicht spielen und auch nicht anderen dabei zuschauen. Leute (Schauspieler) sollen nicht etwas sagen und so tun, als ob sie lebten. Ich will kein Theater. Meine Figuren treten nicht psychologisch differenziert miteinander in Kontakt, sie sind nicht wie lebende Menschen gedacht. Sie sprechen immer, und sie sprechen immer alles aus. Sie brüllen ständig Wahrheiten aus sich heraus, die eine psychologisch richtig gestaltete Figur niemals so äußern würde.
Jelineks Figuren repräsentieren also gar nicht den persönlichen Körper des Menschen, sondern Sprach-Körper oder Körper als über-menschliche, überdimensionale Sprachmaschine(n).

LGrüße, zuppa.




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