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Vladimir
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09.12.2007, 22:49 / 1 x geändert
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Paul Gauguin - Das Ausbringen des Mists
Wir fielen
uns sommerlang zu.
Das alte Gemäuer
hatte uns ein Flüstern
aufbewahrt. Die Tanne,
draußen, kegelte das heiße
Licht in deinen wunden Schoß. Der Berg
- vom Küchenfenster sahn wir seinem leisen
Altern zu - und plätscherte denn nicht im Brunnen, den wir
todesmutig körperüberbrückten, du als Gast im Dorf, doch beide wir
an seinem Rand auf unsre nackten Füße schauend - andres Leben?
Bleiche Frage.
Bunte Tage schütten ihren
Treibsand, immerzu.
Das Bild, das - bien entendu - nur eine recht lose Inspirationsquelle bot, kennen vielleicht die Kölner hier - hängt im Wallraf Richartz Museum. Konnt im Netz keine Reproduktion finden.

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windflug
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Hallo Vladimir,
ich versuche immer mir ein Gauguin-Bild zu deinem Gedicht vorzustellen, sehe erdige Farben, Gemäuer, Tanne , Licht, Berg und Brunnen, aber das Paar, das sich da sommerlang zufällt, die beiden Randständigen, haben für mich gar keinen Platz auf dem Bild. Du hast mich neugierig auf das Gemälde gemacht.
windflug

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augustine
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"nur eine recht lose Inspirationsquelle" sei das Gauguin-Gemälde, schreibst du, vladimir - aber du nimmst den Gedicht-Titel da her. Wie nun?
Den Bild- und Gedichttitel lasse ich also nolens volens weg; zumal ich sonst "Mist" im Text nicht erkennen kann...
Ein Liebespaar. Zeitabläufe. Erfüllungen. Widerhaken.
"Wir fielen/uns sommerlang zu": schicksalhaft, zugleich aber begrenzt ("sommerlang"), und im 'Zufallen' steckt schon das Fallen - der Zeilenumbruch offenbart es. Das alles im Sommer, in einem Dorf, das ich mir als fern der Welt sonst vorstelle (und irgendwo in der Provence; aber das liegt nun an mir). Das "alte Gemäuer" hat vielleicht schon mehr Liebespaare beherbergt und 'flüstert' von ihnen, was es über die Zeiten "aufbewahrt" hat; nicht indiskret, aber vertraut. Man kann sich ihm anvertrauen. Es weiß viel.
Von "draußen" werden genannt eine Tanne, ein Berg, ein Brunnen. Die "Tanne" passt (mir) nicht, obwohl ich sehe, dass du die Kegelform haben wolltest. Der "Berg" altert leise, unauffällig; nun können Menschen das Altern von Felsen nicht wahrnehmen, so dass ich hier einen Ausdruck für die erhöhte Sensibilität Liebender zu erkennen glaube, "andres Leben". Auch der "Brunnen" ist nicht einfach der Dorfbrunnen, sondern etwas, über dem zu sein 'Todesmut' erfordert - Symbol für die Tiefe, die Gefährdung, fürs Abstürzen/Fallen (in) der Liebe; aber das 'andere Leben' darin 'plätschert': das Wort bezeichnet Harmloses. Verstehe ich nicht ganz.
Das alles aber auch im Gedicht in die Frage gestellt, die "Bleiche Frage" eines Nordländers vielleicht, die mit dem Bunt der schicksalhaft gelebten Sommertage kontrastiert, auch: das schreibende Ich erkennt sein eigenes Fragen als nicht gemäß und überlässt sich gern dem Treibsand der Zeit, wie in einem Märchen; "immerzu" aber nicht, nur einen Sommer lang.
In diesem Sommer aber erscheint das alles als "immerzu" - der 'wunde Schoß' ist real, scheint mir; so kann das sein, ja, auch ohne Gewalt; gewollt von beiden; von fern vielleicht aber doch auch die Nebenbedeutung 'Verwundung'.- Warum "kegelte" die Tanne heißes Licht, nicht Schatten in den wunden Schoß??
Dies, was sich so in mehrfachem Lesen mir ergeben hat.
Noch was: In jedem deiner bisher drei Gedichte hier finde ich ein Wort, dass nicht zu passen scheint: "kippte", "hiev ich", "kegelte". Ein Signum?
augustine

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Vladimir²
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Ertmal zu windflug:
Das Paar wirst du vergeblich suchen. Nur ein paar Arbeiter sind schemen und schattenhaft zu erkennen (die eben den Mist ausbringen).
Der Clou ist eben (was augustine auch übersehen hat), dass das Bild die Gegenwart darstellt - diese aber ist nicht der Sommer, sondern - naja würd auf Herbst oder frühen Frühling tippen (wann bringt man denn den Mist raus??). Die Farben sind auch eher dunkel, die Atmosphäre kalt, beinah abgestorben.
Also, Augustine: auch die "bunten Tage" sind nicht die des Sommers, sondern höchstens die eines späteren Sommers, der aber dann einsam ist. Deswegen ist das "immerzu" dann auch wirklich immerzu und nicht mehr die zeitlich begrenzte (aber vielleicht als ewiger erlebte) Zeit des Glücks.
Treibsand - hört man da nicht das versinken, zusammen mit dem Schütten, dem immerzu?
In dem Bild mit der Tanne (kommt übrigens wirklich aus dem Bild) ist diese Umwandlung von Schatten in "heißes Licht" natürlich grade der Clou. "Kegeln" einerseits wegen der Form, andrerseits wegen der Bewegung und weil so der Schatten erstmal näherrückt. Deswegen also auch kein Signum oder so etwas.
Und der Tittel: Das ist nun einfach eine praktische Sache. Mache eine Reihe "Unter Bilder" und da kommt dann eben der Bildtitel übers Gedicht.
Liebe Grüße und Dank,
Vladimir

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augustine
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17.12.2007, 18:53 / 1 x geändert
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Wie kann ich denn was über-sehen. vladimir, was ich gar nicht sehen kann? Wenn du noch zudem vorweg kommentierst, das Bild sei "nur eine recht lose Inspirationsquelle" gewesen, jetzt aber mit dem Bild argumentierst, fühle ich mich - weil nicht verlinkt - gelinkt, zudem ein wenig hochmütig behandelt. augustine

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Vladimir²
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Nein nein, die Schuld liegt natürlich beim Gedicht. Das war nicht vorwurfsvoll, sondern feststellend gemeint. Meine Frage dementsprechend: ob das im Gedicht bereits rüberkommt, dass das beschriebene vergangen ist, und die Gegenwart (zweite Strophe) auf erdrückende Weise mit ihr kontrastiert? Klappt das? Dass man diesen Teil missverstehen kann (oder eben anders als ich dachte) hat deine Interpretation bereits gezeigt. Nun weiß ich nicht, wie weit das geht. Also das Bild ist nicht der Punkt. Wenn das, was ich aus dem Bild ausdrücken wollte im Gedicht nicht zu finden ist, ist das Gedicht zu verbessern, nicht deine Interpretation.
In diesem Sinne liebe Grüße
Vladimir

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augustine
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17.12.2007, 20:49 / 1 x geändert
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Doch, im vorletzten Absatz meines ersten Kommentars sollte etwas enthalten sein von meinem Verstehen, dass der Absatz auch einen Zeiteinschnitt markiert; nicht deutlich genug gesehen von mir - aber auch nicht deutlich genug geschrieben von dir: deine letzten drei Zeilen kommentieren doch mit der Formel "Bleiche Frage" (schön!) eine Frage, die zuvor schon expressis verbis gestellt ist, noch im ersten Teil.
Dann noch Einzelheiten: "Der Berg" bleibt elliptisch**; warum? - Das "Küchenfenster" als Signum der Alltäglichkeit?
Wirkliche Mühe hatte ich mit dem Verstehen des Brunnens. Erst hatte ich die Vorstellung, beide lägen nackt auf ihm, wegen des 'Körperüberbrückens'; dann sah ich sie neben dem Brunnen stehen. Dann bereitet das 'Plätschern' das 'andre Leben' vor?*
Warum ist das Du "Gast im Dorf"?
Und der Treibsand, in dem die Erinnerung versinkt - nein, 'gehört' hab ich ihn nicht.
Bin noch 'ne Weile hier, kannst noch antworten, wenn du magst und auch in der Nähe bist.
LG a.
* Zusatz 1, nachdem ich Gretchens optische Vorstellung gelesen habe, die mir nicht gekommen ist: warum aber braucht es Todesmut da am Brunnen? ich dachte: weil er eine unauslotbare Tiefe hat (na ja, Thomas Mann), in die man stürzen kann.
** Zusatz 2: Gretchen, die rhetorische Figur eines abbrechenden Satzes ist gemeint, nicht die geometrische; war übrigens auch der Begriff, der zuppa neulich fehlte.

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Gretchen
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Hei, mal völlig planlos zwischenreingeplappert - mit dem Brunnen, das seh ich so:
er steht auf der einen, sie auf der anderen Seite, sie beugen sich beide vor und küssen sich über dem Brunnen, oder auch nicht; starren nur auf ihre jeweiligen bloßen Füße; macht abba nix, weil nämlich: in Höhe ihrer Unterkörperregion das Brunnenwasser fließt, soll heißen, da iss Leben, in den Brunnen-/Beckenbereichen (ich stelle mir so nen länglichen trogartigen Brunnen vor, der von einer Quelle gespeist wird und nen Abfluss hat).
Und denne: sie ist Gast im Dorf, Sommerferiengast, deshalb iss ihr Aufenthalt begrenzt und die Liebe damit auch.
Naja, kann sein, ich seh datt alles falsch.
Das da:
| Zitat: |
Der Berg
- vom Küchenfenster sahn wir seinem leisen
Altern zu - und plätscherte denn nicht im Brunnen, |
versteh ich nicht, komm da mit der Grammatik des Satzes nicht klar. augustine sagt, der Berg bleibe elliptisch, für mich liest sich das so, als wär der Satz versehentlich abgebrochen. So:
| Zitat: |
Der Berg
- vom Küchenfenster sahn wir seinem leisen
Altern zu. Und plätscherte denn nicht im Brunnen, |
gäb ett für mich Sinn.
Gretchen-abend-grüße.
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augustine
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Ich fänd's ja schön, vladimir, wenn du Zeit fändest, auf meine Fragen zu antworten. Mir liegt daran wirklich! Liebe Grüße augustine

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Vladimir²
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Manchmal brauchts eben einen kleinen Tritt...
Also: Das mit dem Berg ist vielleicht etwas unglücklich in der Zeichensetzung. Die zweite Version, Gretchen, triffts wohl am ehesten, oder man schriebe es: "Der Berg: vom Küchenfenster (...) Altern zu. - Und plätscherte", oder so ähnlich. Allerdings ist der Bindestrich vor und für die Rhythmik der Stelle nicht ganz unwichtig (ein Accelerando und Crescendo, das dann jäh im Staccato (?) der zweiten Strophe ändet).
Du hast recht, Augustine, dass sich das "bleiche Frage" auf die erste Strophe bezieht. Das führt aber doch nicht zu dem Schluss, dass sich die zweite Strophe noch in dem in der ersten beschriebenen Zeitraum befindet! Man beachte die Zeiten: Der ganze Ton, in dem dieser Sommer beschrieben wird und grade die letzte Frage, in dies dann gipfelt, ist, wenn du mich fragst, recht eindeutig ein nach rückwärts rekapitulierender; und die Frage "plätscherte denn nicht ... andres Leben?" für mich recht starkes Indiz dafür, dass sich etwas offenbar nicht erfüllt hat und die Zeit des Glücks vorbei ist.
Der Kommentar "Bleiche Frage" nun bricht nicht nur die Reflexion und Beschreibung des Sommers ab, sondern er distanziert sich von der Art dieses Zurückdenkens, bewertet/beschreibt sie - und eben als bleich. Leblos. Phrasen. "plätscherte denn nicht im Brunnen andres Leben" was ist das auch für eine leblose Frage?
Und wenn also festgestellt wird, dass die Art des Zurückdenkens falsch ist, dass keine Sprache gefunden werden kann oder zur Verfügung steht, um das Vergangene auszudrücken - dann bleibt nur noch die resignierte, nüchterne Beschreibung des ganz zauberlosen, erdrückenden Status Quo.
Das Brunnenbild ist wohl tatsächlich etwas wirr. Gretchen hat es aber schon am besten getroffen. Genauso den Gast.
Aber, wenn ich das nochmal wiederholen darf: Das Ereignis, um das das Gedicht geschrieben ist, ist diese Abkehr, diese Zäsur in "Bleiche Frage": Abkehr von der eigenen "Erinnerungspraxis" (hab jetzt kein besseres Wort). So verstehst du vielleicht auch, Augustine, meine Reaktion, als ich feststellen musste, dass dieser Punkt offenbar nicht deutlich genug ist.
Jetzt hab ich eigentlich viel zu viel selber erklärt. Aber gut. Meine Frage nun: Seht ihr das auch? Oder bin ich da bei der Umsetzung gescheitert?
Ebenfalls liebe Grüße
Vladimir

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augustine
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21.12.2007, 21:34 / 1 x geändert
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Du bist jetzt sicher mehr froh, dass du den lange gesuchten Text gefunden hast, als dass du dich mit diesem Gedicht noch beschäftigen möchtest. Es ist aber (mir) zum Beispiel geworden dafür, wie bisher die Autor-Intention und die Leser-Rezeption noch nicht überein gekommen sind. Vielleicht gelingt das aber doch. Besserwisserei ist es auf beiden Seiten nicht.
Es geht dir um die entschiedene Zeitdifferenz, die in der Leer-Stelle steckt.
Das habe ich aber gar nicht bestritten, an allen drei Stellen nicht, an denen ich etwas darüber geschrieben habe; das sehr deutliche Argument der unterschiedlichen Tempora (Praeteritum/Praesens) könnte ich noch ausdrücklich hinzufügen.
Die Erinnerung, das sind erstmal die drei ersten parallel gebauten Sätze. Die Begrenzung der Liebe ist in "sommerlang" enthalten; das im alten Gemäuer aufbewahrte Flüstern habe ich zuerst gelesen als: wir sind wiedergekommen; aber das ist nicht zwingend.
Und nun, nach deiner letzten Erläuterung, lese ich von da an: Erinnerung an Verfehltes, nicht Gelungenes: sonst müsste die Tanne kühlen Schatten 'geworfen' haben (auch kein schönes Wort; 'kegeln' aber ist scheußlich - und soll es vielleicht sein); das Küchenfenster, das Plätschern des Brunnens, das Schauen auf nackte Füße, die Blicke fortgewendet vom Andern, die Information, das Du sei nur Gast im Dorf (hat mich geärgert von Anfang an; passt natürlich kaum zu meiner Deutung des Gemäuers) - wird summiert als "andres Leben"; und das alles ist: verfehlte Erinnerung, Reflexion, Darstellung, verfehltes Fragen? Dann lese ich das todesmutige Körperüberbrücken des Brunnens, also auch das dafür extra gesuchte/gefundene neue Wort - als Spott??
Dann wäre "Das Ausbringen des Mists" zu lesen als: ich versuche mich dieser Erinnerung zu entledigen, sie durch Aufschreiben aus mir herauszusetzen? Gut, nicht im Sommer. Mist düngt aber - im folgenden Sommer neue Pflanzen.
augustine die hartnäckige, die aber solche Dialoge gerne führt
Du hast auch noch was ausdrücklich gefragt, vladimir. Im Verlauf dieses Dialogs kann ich deine Intention erkennen, glaube ich zumindest. Wie ich das Gedicht noch ändern würde, damit das deutlicher wird, weiß ich etwa auch. Bin gespannt, ob du was änderst - und wenn: wie.

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Vladimir²
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Hartnäckig gelingt es uns nicht auf ein gemeinsames Gleis zu kommen. Aber langsam beginnt die Sache Spaß zu machen.
"Das alles aber auch im Gedicht in die Frage gestellt, die "Bleiche Frage" eines Nordländers vielleicht, die mit dem Bunt der schicksalhaft gelebten Sommertage kontrastiert, auch: das schreibende Ich erkennt sein eigenes Fragen als nicht gemäß und überlässt sich gern dem Treibsand der Zeit, wie in einem Märchen; "immerzu" aber nicht, nur einen Sommer lang.
In diesem Sommer aber erscheint das alles als "immerzu""
hat meine erste Antwort hervorgerufen. Daran "falsch" (bitte seh darin wiederum keinen Affront! Der Einfachheit halber bezeichne ich mal das, was ich intendiert habe als "richtig") ist folgendes:
das bunt bezieht sich <i>nicht</i> auf die Sommertage!, sondern auf das Jetzt (wir wissen nicht, wann dieses Jetzt ist, nur eben das es außerhalb des beschriebenen Sommers liegt). Diese Tage <i>sind</i> bunt, aber weil die Geliebte fehlt, weil es trotzdem nicht der Sommer von damals ist, sind sie erdrückend, schütten sie ihren Treibsand immerzu.
Deswegen bezieht sich auch das "immerzu" nicht auf den Sommer, sondern ebenfalls auf das Jetzt. Gerade der Kontrast zwischen dem begrenzten Sommer und dem immerzu ist wichtig, weil das immerzu hier nicht positiv ist, sondern in hohem Sinne negativ. Das lyr. Ich wird vom Treibsand verschüttet!
So. Das, um diese alte Kamelle ( ;) ) dann doch nochmal genau zu klären.
Meine letzten Erläuterungen hast du dann wieder grandios missverstanden (oder aber ich dich):
Ich sags einfach mal, wie ich es gedacht habe:
Das lyr. Ich versucht ein Gedicht an seine Geliebte zu schreiben, in dem der ihm als reine Glückszeit prägend gebliebene Sommer in seiner Essenz beschrieben wird. Er meint dies völlig ernst, wenn etwas negatives in dieser Beschreibung enthalten ist, dann weil es dazugehört, aber <i>ohne</i> die grundlegende positive Bedeutung dieser Zeit für ihn irgendwie in Frage zu stellen. Er schreibt also, und steigert sich ein bisschen da rein, der Rhythmus wird schneller, er ejakuliert (entschuldige) in der Frage - ich paraphrasiere - war da nicht in diesem Dorf, in diesem Sommer, ein andres Leben, etwas, was wir nun weiterleben sollten, was nicht verschütt gehen sollte, was immer den Sommer auch beenden ließ, ist es nicht unmöglich, dass alles nur Schall und Rauch sein soll - <i>war da nich was</i>? Etwas andres als das, was jetzt ist?
Aber aus irgendeinem Grund spürt der Schreibende, das er mit dieser Frage zu weit gegangen ist - vielleicht, weil sie schon zu oft gestellt wurde, vielleicht, weil er sie ihr so nicht stellen kann, oder weil er seine Beschreibung durch das Einbrechen seiner gegenwärtigen Gefühle verfälscht (das ist es wohl). Und wie er nun sieht, dass er das nicht machen kann, dass er weder ihr schreiben, noch unabhängig von der Gegenwart das vergangene beschreiben kann, wendet er sich, nachdem er - wie ernüchtert - seinen Versuch mit "bleiche Frage" abtut und aufgibt, der Gegenwart zu. Die ist hoffnungslos, ist verzweifelt. Aber sie - und das ist das wichtige - sie vermag er zu beschreiben, das kann er ihr mitteilen. Und damit endet das Gedicht.
So und wenn jetzt noch....... Bin sehr gespannt auf die Antwort!
Liebe Grüße
Vladimir

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augustine
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22.12.2007, 22:57 / 2 x geändert
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Als ich heute nacht hier deine Antwort schon gelesen hatte, aber auf die Antwort nicht mehr antworten wollte, stand ich auf mit dem Einfall:
"immer-, immer-
zuzu."
Das ist, wahrscheinlich weißt du es, aus Celans Tübingen, Jänner, ist das vorletzte Wort dort, auf das aber noch folgt:
"("Pallaksch. Pallaksch.")" (korrigiert, a.)
Nun ist "pallaksch" ein Wort des geistig kranken Hölderlin, das nach den zufällig überlieferten Dialog-Situationen sowohl 'ja' als auch 'nein' heißen konnte. Ich nehme mir heraus, darin die Weisheit des Kranken zu sehen, der so lange nach der Wahrheit (des Religiösen, aber auch des poetisch Schönen!) gesucht hatte und erkannt hat, dass es etwas eindeutig Richtiges in beiden Bereichen nicht gibt.
Bezogen auf dein "immerzu" will ich dir gerne zugeben, dass es zum Bereich einer Gegenwart nach der Sommerliebe gehört, dass "bunt" in einer negativen Wortbedeutung verwendet ist (wie z.B. redensartlich: du hast es aber reichlich bunt getrieben; oder: es ist grade etwas bunt in meinem Kopf). So, in einer vom ihm Wesentlichen entfernten Gegenwart lebend, "bunt", muss jemand (jemandes Erinnerung, sagst du) zugleich "immerzu" dem Treibsand (des Haderns mit dem Ende von etwas) entkommen; könnte ich mythisch-sisyphusartig verstehen. - Aber dies ist nun sozusagen einfach.
"pallaksch" habe ich zitiert, weil ich finde, dass der erste Teil des Gedichts keineswegs eindeutig erkennbar ist als ein vergangenes Erleben, in dem auch alles Negative zum im Kern Positiven gehört. Ich glaube, dass dein Text auch die Lesart zulässt, dass beschrieben wird, wie das Negative leise sich einschleicht in etwas, was zuvor vollkommen erschien, das aber vollkommen nicht blieb und in der Erinnerung so auch nicht mehr hergestellt werden kann, nicht mehr atmosphärisch erreichbar ist (o Gott, der erste Streit in einer Liebe - es scheint doch die Welt unterzugehen!).
Was "und wenn jetzt noch..."? Meinerseits: wenn du jetzt noch immer findest, ich hätte dich grandios missverstanden, dann müssen wir's dabei belassen, für diesmal.
Doch, es macht aber trotzdem "Spaß", solche Diskurse zu führen.
Herzliche poetische Grüße von augustine

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Vladimir²
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Dem hab ich eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, geschweige denn zu widersprechen.
Das "bunte" ist sozusagen eine Abwehr gegen ein vielleicht verständlicheres, aber auch banaleres "graue". Die Tage sind nicht grau, neue Sommer kommen, die ebenso bunt und farbenfroh sind, wie der zuvor beschriebene - gerade das macht sie aber noch schmerzhafter. Aber nur am Rande.
Das mit dem Celan freut mich, dass der den Weg hierhin gefunden hat. Vielleicht war mir tatsächlich in irgendeiner Ecke dieses Gedichtende noch so präsent, dass es seinen Weg in das meinige gefunden hat...
Wegen dem Pallaksch: Das kann schon sein, dass dies Negative auch so enthalten ist, wie du es beschrieben hast, dagegen will ich mich gar nicht wehren. Was aber bleibt ist die Sehnsucht des lyr. Ichs, die sowohl in der Frage am Ende deutlich zum Vorschein kommt, als auch in der Beschreibung der Gegenwart.
Jetzt is aber auch gut! (denk ich mal)
Mir sind das langsam zu viele mühsame Missverständnisse hier...
Aber so ist das wohl, wenn man sich in solche Materie hineinwagt.
Immerhin (!) hab ich erst dadurch selber eigentlich erkannt, was in dem Gedicht drinsteckt bzw. hineinsollte.
Mehr als nur dafür ein Dankeschön
Vladimir

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