| |
|
zuppanova
|
hab zufällig was gelesen, das mich anregte, ein adventsrätsel zu basteln.
die frage ist:
an welches berühmte (doch, kann man so sagen) vorbild lehnt das von mir zusammengereimte Weihnachtsmotto (s.u.) sich denn an? wer das original erkennt: nicht gleich alles verraten, vllt. nur so zarte andeutungen machen, damit auch andere noch ... na, ihr wisst schon ---
weihnachten ist für mich halt so eine vielschichtige geschichte.
aber jetzt: erst einmal rätseln.
lg, zuppa.
Weihnachtsmotto
Das ist die Sehnsucht: kaufen im Gewoge
und Hertie sei uns Heimat, nun, zur Weihnachtszeit.
Und das sind Wünsche: Hochglanzkataloge
voller Präsente. Komm in die Krippe, Herr: wir sind bereit.
Und das ist Leben. Wir sind nicht von gestern
und spenden - Engeln gleich - zur Weihnachtszeit
für alle armen obdachlosen Drittweltsäue, Brüder, Schwestern
aus mildbewegten Herzen. Ja, es ist soweit.

|  |
windflug
|
Schrieb der Dichter nicht auch "Stille Nacht" (in die verwoben sind ganz weiße Dinge)?
rätselt windflug

|  |
Schreibtisch
|
...bis uns das Anti-Ewige entgegenschreit...?
mutmaßt der Schreibtisch

|  |
zuppanova²
|
windflug - hervorragend navigiert und optimal die thermik genutzt ... mehr sag ich erst einmal nicht.
Schreibtisch - exakt getroffen: das schreiende anti-ewige widersachert das ewige, welches mindestens leise ist, wenn nicht gar schweigt (und für mich tut sich da gleich ein bezug auf zur adventszeit mit all ihren brüchen und auswüchsen).
weitere andeutungen zum gesuchten dichter xxx willkommen, aber ebenso assoziationen aller art zum text, zum inhalt, zum sinn undauchsonstnoch.

|  |
Elise
|
Ach zuppanova, was hast du gemacht?
Zunächst war ich erschüttert, dann musste ich lachen,
obschon dein Thema doch ernst ist.
Weißt du aber, was mir dazu einfällt?
Dass der Gesuchte ein Kind hatte, eine Tochter Ruth.
Warum fällt mir gerade dieses Detail ein?
Vielleicht, weil ich selbst kein Kind habe.
Oder auch, weil heute doch Nikolaustag ist, der 6. Dezember.
Ich denke, dass es schön sein müßte, mit Kindern Nikolaus zu feiern.
Und dann überlege ich soeben, ob zu Lebzeiten des Gesuchten, vor 100 Jahren,
es wohl schon üblich war, Nikolaus zu feiern, so wie wir es heute kennen?
Weiß jemand etwas dazu?
Viele Grüße in den (Nikolaus)Tag hinein, Elis.

|  |
augustine
|
06.12.2007, 14:06 / 1 x geändert
|
|
Trotz Fädenziehens kommt der Name des Dichters in diesem Forum erstaunlich oft vor ...
Er schrieb ein Totengedenken für eine Malerin, derer in diesem Jahr vielfältig gedacht wird ...
Ach, wie schön, dass hier doch noch einmal wieder ein Rätsel zu raten ist!
augustine

|  |
ear
|
06.12.2007, 20:01 / 1 x geändert
|
|
Liebe Elise,
Du fragtest nach noch vorhandenen Sitten zum Nikolaustag. Eigentlich war es immer die Zeit vor dem 6. Dezember, die wichtig war zum Singen von Adventliedern, zum Malen , zur Herstellung von Strohsternen und anderen ganz schlichten kleinen Aufmerksamkeiten, die selbstgebastelt waren.
Die Kinder putzten freiwillig ihre Schuhe, schnitten aus weihnachtlichem Papier Sohlen aus und steckten diese ganz vorsichtig in ihre Schuhe. Diese wurden gegen Abend des 5. Dezembers im Flur plaziert und die Kinder gingen wie immer zu Bett. Doch diesmal in besonderer Erwartung, denn sie hatten auch eine Meldung an den Nikolaus oder Knecht Ruprecht hinterlassen. Als sie noch zu jung waren zum Schreiben, wurden ihre kleinen Wuensche gemalt, spaeter dann aufgeschrieben. Der Nikolaus bekam auf einem Pappteller einige von den Kindern ausgesuchte Nuesse, und sein Pferd einen Apfel. Solche Erinnerungen werden den Kindern bleiben und sie koennten, wenn sie selbst Eltern sind, auf aehnliche Weise vorgehen. Das ist das Schoene an altem ueberliefertem Brauchtum.
Viele gute Hinweise ueber den Ursprung des Nikolaustages findet man bei Google.
Ich moechte nur noch sagen, dass St. Nikolaus aus Myra stammt, seine Eltern kamen aus Patara, einer damals sehr bedeutenden Hafenstadt in Lycia ( heute Tuerkei). Die Stadt versandete durch ein Erdbeben.Die Eltern, Epiphaneos und Nona als Christen, zogen nach Cairo. Trotz 30 jaehriger Ehe waren sie kinderlos geblieben, aber dann kam doch ein Junge, der schon als Kleinkind ungewoehnlich war. Er wurde Nicholas genannt und im Kloster des geliebten Onkels erzogen , als seine Eltern waehrend einer Pest starben.
Legenden umgaben den jungen Mann. Zum Beispiel die gute Tat, dass er drei Nachbarstoechter vor Prostitution bewahrte, indem er ihnen Gold fuer ihre Hochzeits- Ausstattungen ins Zimmer warf. Ein weiterer wichtiger Schritt kam, als der junge Nicholas (der dem abdankenden Bischof von Myra im Traum erschienen war) in die Kathedrale eintrat und schon von allen Bischoefen erwartet und sofort zum neuen Bischof von Myra ernannt wurde.
Nur noch ein Ereignis moechte ich erwaehnen: das Conzil 325 AD . Bischof Nicholas war auf dem Wege dorthin. Es gab Duerre und Hungersnot. In einem kleinen Dorf bot ihm der Wirt ein gebratenes Fleischgericht an. Nicholas kam es seltsam vor, dass der Wirt so etwas Teures anbieten koenne. Er folgte dem Wirt zur Kueche und sah wie der Wirt drei kleine gepoeckelte Jungen zubereiten wollte. Nicholas fiel betend auf die Knie und das Wunder geschah:
alle drei Jungen wurden lebendig . Ich erinnere diese Episode besonders, weil mein Sohn als Chorknabe in Benjamin Brittens “St Nicholas” die Solo-Partie des jungen Nicholas in zwei Konzerten sang.L. G. ear.

|  |
augustine
|
der advent ist ein Rätsel; da hilft auch google nicht ...
augustine

|  |
zuppanova²
|
Elise, augustine und ear, da sind nun verschiedene themen angesprochen, zu denen ich gerne antworten möchte.
Elise dachte, in zusammenhang mit einer tochter des gesuchten dichters, über kinder, vllt. auch kindheit allgemein nach, und stellte, davon ausgehend, auch einen bezug zum 6.12. her. zu deinen fragen in diesem zusammenhang, Elise, hat ear mit hinweisen auf die nikolauslegende und althergebrachte vorbereitungen zum nikolausabend ja schon einiges ausgeführt.
ich möchte versuchen, kurz meine gedanken darzulegen.
wie im einzelnen das nikolausfest zelebriert wurde zu lebzeiten des gesuchten dichters, das wäre sicherlich weitere nachforschungen wert und könnte mich auch interessieren (man fände vllt. hinweise in literarischen werken des fin de siècle, Thomas Mann fällt mir gleich ein). mag sein, es gab damals nur in bestimmten bürgerlichen, also wohlhabenden kreisen die möglichkeit, weihnachtsrituale abzuhalten. vermuten möchte ich weiter noch, dass wohl (im gegensatz zu heute) die weihnachtliche zeit vor 100 jahren "empfundener" oder "sinniger" gewesen sein dürfte, aus verschiedenen gründen, u.a. weil es keine der heutigen vergleichbare waren- und werbeindustrie gab, die jede botschaft, allen sinn, alles "innigliche", "innerliche", wonach sich menschen doch sehnen, sogleich hätte besetzen können und umwandeln in leerformeln, in merry-x-mas-events, in konsumierbares materiel bzw. günstige verkaufsstatistiken irgendwelcher konzerne.
für sich selber, für die eigenen kinder einen hauch von dem wunderbaren, dem glanz oder auch ehrfürchtigen staunen und schauern zu erhalten, also: so etwas wie eine essenz weihnachtlicher stimmung zu bewahren (ich denke jetzt grade an beschreibungen von "weihnachtszeit" bei Astrid Lindgren, da wird für mich so etwas spürbar) und zu transportieren, all dem, was dagegen arbeitet, zum trotz, finde ich einerseits sehr wichtig, andererseits enorm schwierig (wobei es für meine kinder, das weiß ich, bedeutsame und stimmige nikolaus- und weihnachtserlebnisse und -erinnerungen gab/gibt) - weihnachten (wieder)finden zu wollen, das heißt, sich in einem gesellschaftlichen umfeld gnaden-loser konsumorgien und flutwelliger sentimentschübe auf die suche zu begeben (ja, irgendwo zwischen, hinter, unter, über allem horror muss "es" sein) nach etwas, von dem man erst, wenn man es gefunden hat (eine "anders lächelnde" sekunde lang), weiß, was es eigentlich ist ...
so viel - in der hoffnung, dass nicht missverstanden wird, was ich mitteilen wollte.
zu der vom dichter textgeehrten malerin (das ist ja nun ein rätsel im rätsel) suche ich noch etwas heraus und antworte separat, augustine. es ist mir jetzt zu spät schon.
lg an alle, zuppa.

|  |
Elise
|
zuppanova, ich finde, du hast sehr eingängig die Widersprüchlichkeiten - die wohl nicht nur du wahrnimmst - des adventlichen Themas ausgeführt und einen Bezugsrahmen skizziert, der ganz unterschiedliche Positionen dazu aufnehmen kann.
Das Sich-auf-den-Weg-machen ist individuell immer wieder anders und manchmal von außen vielleicht gar nicht zu erkennen.
Herzliche Grüße, Elise.

|  |
Jolante
|
07.12.2007, 15:02 / 1 x geändert
|
|
Um nochmal aufs Rätsel zurückzukommen. Da gabs diese Woche eine interessante Sendung im Theater-Kanal: ..... ? Projekt. Und das Rätsel im Rätsel: ihr Vorname beginnt mit P., nicht wahr?
Ratefreudig
grüßt Jolante

|  |
Schreibtisch
|
....und erschien nicht neulich ein Buch, das sich mit der vertrackten Dreiergeschichte zwischen ihm und P und C...

|  |
augustine
|
Für den Teil bin ich zuständig, glaub' ich, Jolante und Schreibtisch; beide Male: Ja. augustine

|  |
Vladimir
|
Oooh, da brauchtes ja nur die erste Zeile... das ist wirklich schon fast ein bisschen zu offensichtlich!
Aber schöne Idee.
Also...
Der gefragte verbrachte ein wenig Zeit in Heiligendamm o.O

|  |
zuppanova²
|
freilich, Vladimir, es ist sehr offen sichtlich, aber bitte - psst, psst - noch keine namen nennen, nix verraten, sondern das geheimnis, das keines ist, augenzwinkernd weiterzelebrieren: so tun, als ob --> bis zur offiziellen ent-rätselung.
*****
von der malerin drei bilder-links:
- selbstbildnis (klick!)
(einmal hat mir wer eine postkarte geschenkt mit diesem bild von ihr, und dazu gemeint: "so siehst du inwändig aus"; die postkarte lehnt seither bei mir mal da, mal dort, und manchmal schau ich sie an und führe ein stummes gespräch mit ihrmir.) -
- detail aus einem selbstbildnis (klick!)
ich (emp)finde in dieser detailsicht verletzlichkeit, zartheit, kraft ... -
- linke seite: selbstbildnis mit kamelienzweig; rechte seite: mumienporträit einer jungen frau (Fayum, ca. 120 p.p.) (klick!)
die malerin hat solche mumienporträts "gelesen" und für sich umgesetzt; ich schaue diese beiden sehr gerne an, ganz absichtslos, und versuche einfach nur den ausdruck der gesichter in meinem eigenen gesicht zu spiegeln -

|  |
Gretchen
|
Hei zuppa, viel zu leicht, happ sogar ich sofort gewusst, wer dat sein soll.
War nen pikanter Typ, der Hrmgrdnmpf, und ich schreib mal bisschen watt auf von dem, was Leute über den gesagt haben, die mit dem zu tun hatten, so Zeitzeugenstimmchen (auch nen Rätsel im Rätsel).
[1] "Gsniztikdtz war schwer zu erreichen. Er hatte kein Haus, keine Adresse, wo man ihn suchen konnte, kein Heim, keine ständige Wohnung, kein Amt. Immer war er am Wege durch die Welt, und niemand, nicht einmal er selbst, wusste im voraus, wohin er sich wenden würde. Für seine unermesslich sensible und druckempfindliche Seele war jeder starre Entschluss, jedes Planen und jede Ankündigung schon Beschwerung."
[2] "Sein Raum war immer absolut typisch für ihn, so rein bephtikrgl-haft wie eigentlich kein anderer Wohnraum und Arbeitsraum zu schildern ist. Ganz klar und einfach, nur sein Schreibpult, an dem er stand, zum Schreiben. Auf seinem Tisch, mitten im Raum, stand immer eine schöne Rose in einer silbernen Schale."
[3] "Und am Freitag nachmittag - wer kam da? Du ahnst es schon: C. W. mit ihrem Schrnklpf-chen unterm Arm."
[4] "Zartes Eingehen auf die Eigentümlichkeit des anderen, liebevolle Nachsicht zeichneten ihn aus und eine Unverdorbenheit des Herzens, die ihm, dem städtisch Geborenen und mit städtischer, ja großstädtischer Lebensart Vertrauten, die Anmut eines fast kindlichen Zutrauens in das Wohlwollen und die Rechtlichkeit anderer verliehen. - Aber alles freundliche Entgegenkommen und Entgegennehmen hielt vor einer unerbittlich bestimmten Grenze inne. Die Selbstentäußerung, die jedes Verhältnis der Freundschaft oder der Liebe zwischen Lebenden erfordert, lag nicht in seinem Wesen und Wollen. Er wollte, solang er atmete, sein Inneres, ja fast sein Körperliches unberührt und gleichsam außerhalb des Gesetzes der Verwandlung, der ständigen Beraubung und Erneuerung erhalten, nach dem Zeit und Raum mit uns allen schalten."
Rätselhaft kariert: Gretchen.

|  |
zuppanova²
|
jahossa, Gretchen, da bin jetzt aber ich am staunen, wen du alles sprechen läßt.
das musst du selber dann aufdecken (ich denk, so ende nächster woche wird enträtselt), denn:
ich weiß da gar nix.
lg, zuppa.

|  |
augustine
|
14.12.2007, 20:36 / 1 x geändert
|
|
Der Gesuchte - und ja schon Gefundene - hat auch dies geschrieben:
AN HÖLDERLIN
Verweilung, auch am Vertrautesten nicht,
ist uns gegeben; aus den erfüllten
Bildern stürzt der Geist zu plötzlich zu füllenden; Seeen
sind erst im Ewigen. Hier ist Fallen
das Tüchtigste. Aus dem gekonnten Gefühl
überfallen hinab ins geahndete, weiter.
Dir, du Herrlicher, war, dir war, du Beschwörer, ein ganzes
Leben das dringende Bild, wenn du es aussprachst,
die Zeile schloss sich wie Schicksal, ein Tod war
selbst in der lindesten, und du betratest ihn; aber
der vorgehende Gott führte dich drüben hervor.
O du wandelnder Geist, du wandelndster! Wie sie doch alle
wohnen im warmen Gedicht, häuslich, und lang
bleiben im schmalen Vergleich. Teilnehmende. Du nur
ziehst wie der Mond. Und unten hellt und verdunkelt
deine nächtliche sich, die heilig erschrockene Landschaft,
die du in Abschieden fühlst. Keiner
gab sie erhabener hin, gab sie ans Ganze
heiler zurück, unbedürftiger. So auch
spieltest du heilig durch nicht mehr gerechnete Jahre
mit dem unendlichen Glück, als wär es nicht innen, läge
keinem gehörend im sanften
Rasen der Erde umher, von göttlichen Kindern verlassen.
Ach, was die Höchsten begehren, du legtest es wunschlos
Baustein auf Baustein: es stand. Doch selber ein Umsturz
irrte dich nicht.
Was, da ein solcher, Ewiger, war, mißtraun wir
immer dem Irdischen noch? Statt im Vorläufigen ernst
die Gefühle zu lernen für welche
Neigung, künftig im Raum?
augustine, die das Gedichte-Auffädeln ja nicht lassen kann.

|  |
Jolante
|
Auch ich kanns nicht lassen, ein Rätsel im Nichtmehrrätsel vorzustellen:
"......Der Vorwurf, den geringe Lippen dem Werke ?s entgegengezischt haben: er muss nur in einen reinen Mund kommen, um dieses Werkes Erhebung und Hymne zu sein:
Denn in diesen Dingen ist uns der Eros des Sokrates, der, trotz Phaidros und Symposion, verloren war, wiedergekommen - dieser süßeste, leichteste Eros, dieser reine Geist, dieser weite unbescheidene Begehrer.....
(Über ?s Z.........n, 1905)"
Ist wahrscheinlich viel zu leicht für euch alphas,
vermutet Jolante

|  |
augustine
|
Hab' das Gefühl, Jolante, dass das Zitierte von George sein könnte, weiß aber nicht, wo ich suchen soll. Über den fehlt mir noch alles. Die neue Karlauf-Biographie ist aber bestellt.
Gibst du einen Tip? LG augustine (bald länger ...)

|  |
Jolante
|
Liebe augustine,
das Zitat stammt von dem Dichter, den wir bereits erraten haben. Es bezieht sich auf einen bildenden Künstler, dem er sehr verbunden war. Ich bin sicher, jetzt hast du`s !
Gruß Jolante

|  |
Elise
|
Könnte es sein, dass der erratene Ungenannte für eine gewisse Zeit
Sekretär dieses bildenden Künstlers war?
Mit Gruß, Elise.

|  |
Jolante
|
15.12.2007, 22:40 / 2 x geändert
|
|
Elis, du hast es erraten. Im Insel Verlag ist zu beiden ein Buch erschienen mit dem Titel "Augenblicke der Leidenschaft". Es enthält aquarellierte Zeichnungen von ? und Texte von dem, dessen Name nicht genannt werden darf. Das Büchlein eignet sich auch gut als Weihnachtsgeschenk für XY.
Grüße in den späten Abend
von Jolante

|  |
zuppanova²
|
ohne seinen namen zu nennen (der vorfreudigen spannung zuliebe!), stell ich jetzt aber doch schon einmal
ein bildnis
des erratenen vor. nur durch eine verkettung verschiedener glücklicher umstände (und natürlich auch dank meiner vielfältigen beziehungen ...) hab ich kenntnis erhalten davon, denn es wurde erst vor ca. drei wochen im restnachlass seiner tochter Ruth entdeckt.
wie man sieht, zeigt es den dichter von einer bilslang noch ganz unbekannten, schwer deutbaren seite: möglicherweise offenbaren sich in seiner pose gewisse wesenszüge und neigungen, die ein völlig neues er- und begreifen seiner werke fordern werden.
das bild befindet sich übrigens derzeit in obhut des Bayerischen Instituts für angewandte Literaturpsychologie und wird dort von speziell geschulten mitarbeitern der soko Autoreninnenweltraumenigmataaufdeckung, klassische Moderne nach allen regeln der kunst von vorn und hinten betrachtet.
(ha! Jolante! ich weiß auch, welcher bildhauer gemeint ist!)

|  |
rollerball
|
19.12.2007, 11:01 / 1 x geändert
|
|
"AMERICAN-GERMAN CHRISTMASNACHTEN
When the last Kalender-sheets
flattern through the Winter-streets
and Decemberwind is blowing,
then is everybody knowing,
that it is not allzuweit.
she does come, the Weihnachtszeit.
All the Menschen, Leute, people
flippen out of ihrem Stubel
run to Kaufhof, Aldi, Mess
make Konsum and business.
Kaufen this und jenes Dings
and the churchturmglocke rings !
Manche holen sich a Tannchen.
When this brennt, they cry : Attention!.
Rufen for the Feuerwehr;
Please come quick, and rescue her !
Goes the Tannchen off in Rauch
they are standing on the Schlauch.
In the kitchen of the house
mother makes the Christmasschmaus.
She is working, schufting, bakes,
Hit is now her Yoghurtkeks.
And the Opa says as Tester;
"We are killed bis zu Silvester".
Then he fills the last Glas wine,
yes, this is the Christmastime.
Day by day does so vergang,
and the holy night does come.
You can think, you can remember,
this is immer in December !
Then the childrenlein are coming
candle-wachs is abwarts running,
Bing of Crosby Christmas sings
while the Towerglocke rings
and the angels look so fine
Well ! This is the Weihnachtstime
Baby-eyes are big and rund
the family feels kerngesund,
when unter'm Baum is hocking-
then nothing can them shocking.
They are so happy, are so fine
this happens in the Christmastime.
The animals all in the house
the Hund, the Katze, the bird, the mouse,
are turning round the Weihnachtstree
enjoy the day as never nie,
weil they find Kittekat and Schappi
im Geschenkkarton von Pappi.
The family begins to sing
and wieder does a Glockchen ring.
Zum song vom grunen Tannenbaum
die Traen rennen down and down-
bis the mother plotzlich flennt:
"Die Gans im Ofen ist verbrennt! "
because her nose is very fine
wie jedes Jahr zur Christmastime.
So all can say the fest is nice,
but all of this hat seinen Preis.
The nervs are laying alle blank,
This is mir klar, by this Gestank
from the verbrennte Weihnachtsgans
This must etwas besonderes sein.
All people stimmen mit mir ein
and sing with me so loud and clear
MERRY X-MAS AND A HAPPY NEW YEAR "

|  |
zuppanova²
|
jaservus lost. auf die idee muss einer kommen, Loriot und Rilke (so, jetzt ist der name ausgesprochen!) gemeinsam vor den schlitten zu spannen ... obwohl: dieser ist schließlich auf dem besten weg, so populär zu werden wie jener, was man leicht daran sehen kann, dass es einerseits inzwischen fanartikel von ihm zu kaufen gibt, und er andererseits den durchbruch in wirklich auflagenstarke zeitungen geschafft hat. Rilke - Deutschlands neuer Superstar? ... jamei, das zeug dazu hätt er ja, gell ...
und rollerball, die deutschverenglischte weiXmasmiXture durfte ja nur von dir kommen - grad überleg ich, wie wohl ein Rilkegedicht, in dieser art bearbeitet, ankäme ...
viele lg rundum, zuppa.

|  |
zuppanova²
|
der vollständigkeit halber noch weiter:
dies (link) ist das gedicht, auf das windflug angespielt hat, und das (link) hat lost in seinen beitrag eingebaut.
die von augustine ins spiel gebrachte malerin ist natürlich Paula Modersohn-Becker, und Jolante zitierte Rilkeworte über Auguste Rodin.
mehr weiß ich nicht. Gretchen, deine zitate musst selber ent-decken.

|  |
augustine
|
Und das ist das Requiem für die im Jahr zuvor wenige Tage nach der Geburt ihres Kindes gestorbene Paula Modersohn-Becker: ein langer Text, geschrieben am 31. Oktober, 1. und 2. November 1908 in Paris, für den man lange Weile braucht, darin die Verse, die ich abschreibe:
Denn das ist Schuld, wenn irgendeines Schuld ist:
die Freiheit eines Lieben nicht vermehren
um alle Freiheit, die man in sich aufbringt.
Wir haben, wo wir lieben, ja nur dies:
einander lassen; denn daß wir uns halten,
das fällt uns leicht und ist nicht erst zu lernen.
augustine

|  |
zuppanova²
|
du hast recht, augustine: für das requiem muss man sich zeit nehmen.
beim überfliegen haben mich diese verse festgehalten:
So starbst du, wie die Frauen früher starben,
altmodisch starbst du in dem warmen Hause
den Tod der Wöchnerinnen, welche wieder
sich schließen wollen und es nicht mehr können,
weil jenes Dunkel, das sie mitgebaren,
noch einmal wiederkommt und drängt und eintritt.
individuell-biografisch bedingte selektivrezeption, oder so ...

|  |
Gretchen
|
Hei Leute,
hier mal meine Auflösung. Fehlt noch.
[1] Rilke war schwer zu erreichen. Er hatte kein Haus, keine Adresse, wo man ihn suchen konnte, kein Heim, keine ständige Wohnung, kein Amt. Immer war er am Wege durch die Welt, und niemand, nicht einmal er selbst, wusste im voraus, wohin er sich wenden würde. Für seine unermesslich sensible und druckempfindliche Seele war jeder starre Entschluss, jedes Planen und jede Ankündigung schon Beschwerung.
(Stefan Zweig: Die Welt von gestern. Erinnerungen eines Europäers.)
[2] Sein Raum war immer absolut typisch für ihn, so rein rilkehaft wie eigentlich kein anderer Wohnraum und Arbeitsraum zu schildern ist. Ganz klar und einfach, nur sein Schreibpult, an dem er stand, zum Schreiben. Auf seinem Tisch, mitten im Raum, stand immer eine schöne Rose in einer silbernen Schale.
(Martha Vogeler über Rilke in Paris)
[3] Otto Modersohn schreibt boshaft an Paula während der Verlobungszeit 1901: "Und am Freitag nachmittag - wer kam da? Du ahnst es schon: C. W. mit ihrem Rilkchen unterm Arm."
[4] Zartes Eingehen auf die Eigentümlichkeit des anderen, liebevolle Nachsicht zeichneten ihn aus und eine Unverdorbenheit des Herzens, die ihm, dem städtisch Geborenen und mit städtischer, ja großstädtischer Lebensart Vertrauten, die Anmut eines fast kindlichen Zutrauens in das Wohlwollen und die Rechtlichkeit anderer verliehen. - Aber alles freundliche Entgegenkommen und Entgegennehmen hielt vor einer unerbittlich bestimmten Grenze inne. Die Selbstentäußerung, die jedes Verhältnis der Freundschaft oder der Liebe zwischen Lebenden erfordert, lag nicht in seinem Wesen und Wollen. Er wollte, solang er atmete, sein Inneres, ja fast sein Körperliches unberührt und gleichsam außerhalb des Gesetzes der Verwandlung, der ständigen Beraubung und Erneuerung erhalten, nach dem Zeit und Raum mit uns allen schalten.
( Rudolf A. Schröder: Rainer Maria Rilke.)
Bunte Neujahrsgrüße auch an alle (besser spät als nie).
Gretchen.

|  |
zuppanova²
|
nikolaustag ist heute.
so fiel mir dieser rilkische
vorweihnachtsfaden hier wieder
ein. und da ist ein link mit türchen,
wer mag, macht auf: wortwerk zur adventszeit
vom schutzpatron des hauses. aber nicht voraus luuren,
gell, das siebte bleibt heut noch zu !
lg, zuppa.

|  |
Gretchen
|
menno, zuppa, hast du diesen faden ausm keller
geholt, so wie man die christbaumkugeln beiholt,
alle jahre wieder. find ich sehr nett von dir,
werd gleich mal das nächste türchen
öffnen. leider hab ich sonst direkt
nix weiter beizutragen ... aber
jedenfalls: danke. Greta.

|  |
ear
|
Liebe zuppa, Dank fuer die Rilke-Tuerchen:
Rilkes Briefe bringen mir Italien-Erinnerungen.
Briefe aus Cava, in denen davon berichtet wurde, dass ein ganzes Zimmer zur Krippen-Darstellung benutzt wird.
Die Familen bemuehen sich, jedes Jahr eine neue Figur aus Ton oder Holz geschnitzt/gedrechselt hinzuzufuegen. Alle Berufe, Bettler, von Krankheit gezeichnete Figuren gehoeren ebenso dazu, wie die Darstellung von Familienmitgliedern und Freunden.
Das Weihnachts-Geschehen spielt sich ab in kunstvoll erstellten Bergen, in einer Grotte und das Jesuskind darf erst um Mitternacht kommen, wenn der Papst zelebriert.
Die Pifferari in ihrer Tracht langem Mantel und Hut kommen mit Schalmei(piffero) und Dudelsack (zampogna) in die Stadt und singen und spielen alte Weisen vor jedem Haus.
Befana, die Alte , noch immer Suchende, hat am 6. Dezember Suessigkeiten an Kinder verteilt.
Liebe zuppa, auch werden Erinnerungen wach an deinen grossen Keller voll von Geheimnissen, voller Entdeckungsmoeglichkeiten, ear.

|  |
|
|