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ear
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Sklavenhandel ist erst 200 Jahre her.
Vor einigen Tagen besuchte ich, bei eiskaltem Winterwetter, eine der historischen Kirchen 'St.Mary on the Quay' im Hafen von Ipswich. Sie wird nur fuer Theaterauffuehrungen benutzt, obwohl der antike Taufstein in der Ecke steht und alles sonst belassen wurde, bis auf die Kirchenbaenke. An seiner Stelle gibt es ansteigende leicht auf-und abzubauende Stuhlreihen, wie es eine kommende Produktion dort , oder im Wald erfordert. Die Schauspieltruppe der 'Red Rose Chain' Ipswich kann bereits auf viele Jahre erfolgreicher Theatergeschichte zurueckblicken.
An jenem Abend gab es ein modernes Stueck, welches auf 1785 zurueckgeht.
Damals schrieb der ehrgeizige junge Student, Thomas Clarkson, der sich, erfolgreich, einen Preis als Abschluss seiner akademischen Laufbahn wuenschte, eine lateinische Abhandlung ueber die, seiner Meinung nach, notwendige sofortige Abschaffung des Sklavenhandels.
Das Thema verfolgte ihn weiter, sodass er sein ganzes Leben dieser Aufgabe widmete. Wie zu erwarten, fand er fast nur Gegner, unerwartete Angriffe auf seine Person, denn Sklavenhandel war ein lukratives Einkommen. Es ging auf und ab, gelegentlich gab es Helfer, aber Furcht und Verzweiflung lagen nie fern.
Staerkste Hilfe fand Clarkson in Wilberforce, der jahrelang im Parliament um Anerkennung des Problems mit Clarkson kaempfte. Schliesslich kam der Durchbruch 1807, aber auch danach dauerte es viele Jahrzehnte, bis die Sklaverei ein Ende fand.
Clarkson laesst sich von einer fiktiven afrikanischen Gestalt durch Afrika fuehren, die hohe Kultur erklaeren, Kunstschaetze zeigen und, um so furchtbarer erscheint ihm die Wirklichkeit , die unglaublichen Verbrechen , die er staendig um sich her erlebt.
Als Indizien kauft er die Marterwerkzeuge, besucht Sklavenschiffe, erhaelt schriftliche Beweise der Morde, der Verstuemmelungen. Nur selten sind Opfer zur Aussage bereit, aus Furcht um ihr Leben.
Clarkson selbst endete fast im totalen Zusammenbruch, aber Wilberforce und unendlich vielen Quäkern gelang der fortgesetzte Kampf, bis auch Clarkson sich erholt hatte . Trotz des tragischen Themas drang immer wieder die Freude und Genugtuung durch, nicht aufgeben zu wollen, bis eine erfolgreiche Abschaffung erreicht sei.
Es sind lediglich 200 Jahre her, dass Ausbeutung von Sklaven als normal und selbstverstaendlich notwendig erachtet wurde.
Ich ging mit einer Art Verpflichtung zum Theater, weil einige meiner Quäker-Vorfahren durch persoenlichen Einsatz , die Abschaffung durchsetzen wollten. Dies geschah nicht nur in England und Amerika, sondern auch in Deutschland. Mein Vorfahr Benjamin war fuenf Jahre lang in Amerika. Er erlebte das Ausstossen einiger Quäker, weil sie weiter einen Sklaven hatten, auch sah er , wie schwierig das Freikaufen von Sklaven war,weil die Nachkommen der Sklavenhalter weitere Rechte gueltig machten, In Amerika war es verboten, einem Sklaven das Lesen beizubringen. Dem unermuedlichen Einsatz solcher Menschen, wie Thomas Clark oder vielen Quäkern, ist es zu verdanken, dass die Sklaverei ein Ende fand.
'The Ebony Box' wurde mit Minimal-Requisiten aufgefuehrt,es gab nur drei professionelle Schauspieler: eine Frau und zwei Maenner, welche alle 14 Rollen uebernahmen.Die hochbegabte, in Jamaika geborene, in Bangladesh aufgewachsene und in England ausgebildete Milly Jupp erzeugte authentische Atmosphaere ,wenn sie spontan in Blues und Spiritual ausbrach. und sehr eindrucksvoll ausgewaehlt waren die Songs: 'Amazing Grace',von John Newton geschrieben, der 20 Jahre lang als Captain Sklavenschiffe fuehrte, bis er zum Christentum uebertrat; 'Haul in the Bow Line' ist ein Shanty, welcher die unmenschlichen Bedingungen bestimmt nicht verbesserte; 'Motherless Child' als Negro Spiritual und 'Jamaica-Farewell' (von Belafonte und Marley aufgenommen).
Jimmy Grimes, hier als Clarkson, der unvergessene 'Hamlet' und Josh Golding waren hervorragend in ihren unterschiedlichen Rollen und alle Drei ebenso als Saenger und Taenzer.

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Klaus
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21.11.2007, 13:34 / 1 x geändert
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Liebe ear,
das Abend begann bei eiskaltem Winterwetter, ja da wird es kalt...
Und es begleitete dich Benjamin, dein Vorfahre, der es Wert wäre, in
einer eigenen Darstellung gewürdigt zu werden in seiner Lebensfülle.
Schön wäre es, wenn die Sklaverei abgeschafft wäre, sie gibt es nicht
mehr so offen wie früher, aber leider weiterhin an vielen Orten verdeckt.
Wollen wir es wirklich so genau wissen? Bewunderswert der damalige
Mut der Quäker, die sich riskierten, genauso wie Thomas Clarkson, der
sich praktisch verlor, um Leben zu retten. Es klingt wie aus einem alten
Märchen.
Blues and Soul...aus Gospels entstanden...
LG Klaus

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Elise
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Hallo ear,
mit Interesse und Neugier las ich von deinem jüngsten Ausflug.
Was Sklaverei, Sklavenhandel betrifft, so habe ich ähnliche Gedanken wie Klaus: es gibt hier und heute ausbeuterischen Umgang mit Menschen, wüstes Ausnutzen von Hierarchie und (zufälligen) Positions-Vorteilen, was im übertragenen Sinn den Namen Sklaverei verdient, auch Menschenhandel übelster Art findet (illegal zwar) immer noch statt.
Dein Bericht regte mich schließlich zu eigenem Nachforschen an, und so entdeckte ich diesen link - ich hoffe, es ist dir recht, dass ich darauf hinweise. Auch auf dieser Site kann man sich weiter über Clarkson und das Stück informieren.
Und dein Vorfahre, ja, der interessierte mich auch. Es ist ein Privileg, seine Wurzeln zu kennen ...
Meine Bitte: weiterhin an deinen Ausflügen und Erlebnissen teilnehmen zu dürfen.
Herzliche Grüße, Elise.

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ear²
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24.11.2007, 11:41 / 2 x geändert
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Dr. Johnson (1709-1784) ist noch heute der nach Shakespeare-Neville meist zitierte Schriftsteller, Dichter und Biograph , dessen English Dictionary die Grundlag der englischen Rechtschreibung bildet. Dr. Johnson lehnte den Sklavenhandel total ab.
In seinem Haus, in welchem ein grosser Kreis von Intellektuellen verkehrte, hatte er einen “befreiten Sklaven” , einen jungen Mann als 'Man-Servant'.
Francis Barber aus Jamaika wurde von Johnson hoch geachtet, er liess ihn in guten Schulen erziehen und gab ihm jaehrlich eine Summe von £70. Francis Barber war von 1752 bis zu Dr Johnsons Tod bei ihm und beerbte ihn.
Noch heute soll es in Lichfield Nachkommen Francis Barbers geben.
Dr Johnsons Beispiel war sicherlich einflussreich auf die Gesinnung der Menschen, die mit ihm in Kontakt traten und foerderte den Willen zur Abschaffung des Sklavenhandels in England.
Der 'Sklavenhandel' hat sich , wie es Klaus und Elise so klar ausdrueckten, nur verlagert. Ob Jemand noch Beispiele aehnlicher Art finden kann? Das Problem ist vielschichtig gewesen. Und leider geblieben.
Mein besondere Dank fuer die sehr umfangreichen Links, welche Elise nicht nur fuer die wichtige Rolle, die Thomas Clarkson spielte, heraussuchte, sondern ebenso fuer die weltweiten Probleme der Versklavung wehrloser Menschen.

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