augustine
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Ich geb' zu, liebe Jolante: ich hab' deinen Text glatt übersehen. (Dabei hatte ich mir durchaus gedacht: warum hört/liest man denn jetzt nix von ihr ...)
Also ich lese: eine Balance zwischen dem monoton trommelnden Regen und der Gräunis draußen, die leicht die dazu immer bereiten Seelengespenster herausrufen könnte, damit sie die Macht übernehmen. Das würde man bei diesem Anfang erwarten, jahreszeitengerecht, würde nicht schon die Überschrift einen Ausgleich signalisieren. Und dann: es sind Kerzen angezündet gegen nass und grau und noch mehr: die Kerzen bewegen die Gespenster, ihre eigene etwas hakelige Bewegung (flackern) noch schöner aufzunehmen: als "einen wiegenden Elfenreigen", als vertrautes, sehr offenes, erinnerndes Flüstern der Seele bei Chopin-Musik (wird eine bestimmte Bedeutung haben). Alles ist auf einen leisen Ton gestimmt.
Die dritte Strophe verwirft die zweite nicht, in der Erinnerung ist Melancholie, aber nicht Depression.
Ein dialektischer Dreischritt fällt mir noch ein: These, Antithese, Synthese (wenn das nicht zu hirnig ist). Mit solcher Synthese lässt sich gut leben, scheint mir.
Metrisch würde ich noch feilen; mit Trochäen beginnst du, also ohne Auftakt (lang kurz, eher hartes Metrum), aber ab Z. 4 sind sie nicht mehr immer da. In der mittleren Strophe gibt's, dem Tanzrhythmus entsprechend, einige Daktylen (lang kurz kurz, z. B. "wiegenden"). Idee: diese ganze Strophe daktylisch machen, die dritte vielleicht durchgehend jambisch (kurz lang, also das eher weiche Metrum). Entschuldige die Belehrungen, Jolante; du hast sie sicher gar nicht nötig; ich wollte mich eher allgemein verständlich ausgedrückt haben.
Und außerdem finde ich das jetzt im Schreiben sehr reizvoll: den Sinn (wenn ich ihn richtig verstanden habe) auch im Metrum ausdrücken.
Liebe Grüße von augustine

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